Hendricks: „Es gibt nur ein Klima und nur einen Ozean“

Barbara Hendricks diskutierte mit Schülern am KAG über den Klimawandel

KLEVE. Der Klimawandel bereitet der Welt sorgen – den Menschen im zentralamerikanischen El Salvador aber ganz besonders. „In einem Jahr herrscht bei uns Dürre und Trockenheit. Im nächsten Jahr gibt es Stürme und Überschwemmungen. Beide Jahre nehmen uns die Lebensgrundlage“, sagt Santiago Vasquez in einer Podiumsdiskussion zum Thema Klimawandel am Klever Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG) mit der ehemaligen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Barbara Hendricks (3. v.l.) machte im Gespräch mit den Gästen aus El Salvador deutlich, dass auch wir in Deutschland für Naturkatastrophen in anderen Regionen der Welt verantwortlich sind. NN-Foto: SP

Vasquez ist Lehrer am Centro Escolar Nueva Esperanza in El Salvador, mit der das KAG eine langjährige Schulpartnerschaft pflegt. In diesem Rahmen sind Schüler und Lehrer aus Zentralamerika derzeit zu Besuch in Kleve und haben mit Barbara Hendricks über den Klimawandel gesprochen, der El Salvador ganz besonders hart trifft. Schüler Jorge aus El Salvador teilte der Klever Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Bundesumweltministerin seine Sorgen mit: „El Salvador ist ein kleines Land, das sehr verletzlich ist. Es kommen mittlerweile sehr viele Naturkatastrophen zusammen.“ Von der Regierung fühle er sich im Stich gelassen. „Sie stellt sich taub, obwohl sie etwas tun müssen.“

Hendricks machte deutlich, dass der Umgang mit der Umwelt in Deutschland und Mitteleuropa mit den Vorkommnissen in Zentralamerika zusammenhängt. „Wenn wir Braunkohle zur Stromgewinnung nutzen oder viele Autos fahren, hat das Auswirkungen auf das Klima weltweit“, erklärte Hendricks und fügte an: „Wir müssen uns klar machen, dass es nur ein Klima gibt und nur einen Ozean. Ganz egal, ob der nun Pazifik oder Atlantik heißt.“

Um die Umwelt zu schützen, haben 196 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen vor drei Jahren das Übereinkommen von Paris zur Begrenzung der menschengemachten globalen Erderwärmung auf der UN-Klimakonferenz in Paris verabschiedet. Hendricks war daran als deutsche Bundesumweltministerin maßgeblich beteiligt. Jedes einzelne Land habe sich dabei in unterschiedlicher Weise verpflichtet, auf die Umwelt aufzupassen und darauf geeinigt, die Erderwärmung auf nur deutlich unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit (etwa 1850) ansteigen zu lassen. In Deutschland solle dafür unter anderem vermehrt auf Autos und Braunkohle bei der Stromgewinnung verzichtet werden. „El Salvador hat sich dazu verpflichtet, Wälder zu bewahren und aufzuforsten. Sie konnten nicht sagen „Wir verstromen keine Braunkohle mehr“, weil sie das noch nie gemacht haben“, erläuterte Hendricks.

Der Wald hat in El Salvador einen ganz besonderen Stellenwert. Wie die Besucher aus Zentralamerika am KAG berichteten, schützt er die Dörfer vor größeren Auswirkungen der vielen Umweltkatastrophen. „Bei Hochwasser steigt das Wasser zwar auch mit Wald auf dieselbe Höhe an, aber der Wald dämpft die Wassermassen ab, so dass sie nicht so stark auf die Dörfer treffen“, erklärte Lehrerin Carmen Ventura. Immer mehr Wald sei aber in den vergangenen Jahren abgeholzt worden, was nicht nur dem Schüler Jorge große Sorgen bereitet. „Lina Pohl, die Umweltministerin aus El Salvador, die ich sehr gut kenne, setzt sich zum Beispiel sehr für die Wiederaufforstung des Waldes ein“, verriet Hendricks. Wie in Deutschland gebe es aber auch in El Salvador Parteien mit unterschiedlichen Interessen, so dass der Eindruck entstehen könne, dass die Regierung die Augen verschließe.

Auch Deutschland und Mitteleuropa bekomme immer mehr die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. „Die Wetterphänomene, die es schon immer gab, werden überall auf der Welt häufiger und intensiver“, sagte Hendricks. Deutsche Ziele müssten daher sein, dass weniger Autos in den Großstädten unterwegs sind, die Menschen mehr auf den öffentlichen Nahverkehr zurückgreifen, mehr Grünflächen in den Innenstädten auch für Fußgänger sowie Fahrradfahrer geschaffen werden und dass die Fleischproduktion in Deutschland verringert wird. „Dazu muss das Fleisch auch wieder mehr Kosten und die Menschen müssen es weniger verzehren“, meinte Hendricks.

Zum Ende der Podiumsdiskussion sprach ein Schüler des Konrad-Adenauer-Gymnasiums noch das Thema Klima-Flüchtlinge an. Barbara Hendricks sagte bereits vorher, dass aufgrund des Klimawandels in manchen Regionen bald kein Leben mehr möglich sei und die Menschen dort daher ihre Heimat verlassen müssten. „Wir brauchen deshalb den Status des Klimaflüchtlings, den es zurzeit aber noch nicht gibt“, sagte Hendricks. Andere Länder müssten sich verpflichten diese Flüchtlinge aufzunehmen, worin die Klever Bundestagsabgeordnete aufgrund der nicht allzu hohen Anzahl an Flüchtlingen aber kein Problem sieht.