Mit Ehrgeiz, Nervenstärke und Talent zur Top-Schützin

Franziska Driessen aus Hönnepel nimmt an EM-Qualifikation in München teil

KALKAR. Eigentlich ist Franziska Driessen aus Kalkar-Hönnepel nur durch einen Zufall zum Sportschießen gekommen. „Mein Nachbar hat bei einem Königsschießen mal zu mir gesagt: Mach mal mit. Da habe ich mal geschossen und er sagte, dass ich Talent habe“, verrät die 15-Jährige. Das ist jetzt rund sechs Jahre her. Am Freitag fährt sie nun nach München und ist eine von den insgesamt 41 besten Schützinnen aller Altersklassen Deutschlands am Luftgewehr, die um die Qualifikation zur Europameisterschaft im kommenden Februar kämpfen.

Das Gewehr im Anschlag: Franziska Driessen trainiert drei bis vier Mal pro Woche für den perfekten Schuss. Foto: privat

Der Erfolg macht die Schülerin beinahe sprachlos. „Ich freue mich einfach sehr, sehr doll und bin schon sehr nervös, wenn ich an München denke“, sagt Driessen. Drei bis vier Mal die Woche trainiert sie bei den Sportschützen St. Helena Xanten, wo sie entsprechend gefördert wird. Dass sie ein großes Talent ist, zeigte sie bereits bei den Landesmeisterschaften, wo sie den ersten Platz von 200 Schützinnen belegte. Auf Bundesebene konnte sie immerhin schon einmal den siebten Rang erreichen. Doch Driessen möchte noch mehr. „Mein Ziel ist Olympia“, formuliert die Schülerin der Gesamtschule in Xanten/Sonsbeck ganz klar.

Auf dem Weg dorthin nimmt sie fast an jedem Wochenende an Vergleichswettkämpfen, Wettbewerben des Rheinischen Schützenbundes (RSB) oder Sichtungsschießen teil und fährt dafür quer durch Deutschland. Bei solchen Wettkämpfen ist sie auch für das EM-Qualifikationsturnier am kommenden Wochenende entdeckt worden. „Die Trainer beobachten und haben sie letztendlich nominiert“, sagt Franziskas Vater Andreas Driessen. Einer von ihnen war auch Achim Veelmann der als Trainer Amelie Kleinmanns 2013 zum Europameistertitel führte.

Von so einem Erfolg träumt auch Franziska Driessen. Dennoch bleiben sie und ihr Vater realistisch. „Als Jüngste von 41 Schützinnen ist es eigentlich utopisch, dass sie es unter den besten Acht und damit die Qualifikation zur Europameisterschaft schafft“, sagt Andreas Driessen. Es sei aber toll, dass sie so jung schon so wertvolle Erfahrungen machen dürfe. Denn eins hat Franziska Driessen in ihrer noch jungen Karriere schon festgestellt: „Wettkampf ist schon was anderes als Training. Da ist der Nervenkitzel wesentlich höher.“

Ich habe wirklich Respekt davor, wie sie das alles unter einem Hut bekommt

Laut ihrem Vater ist das aber eins ihrer größten Begabungen. „Sie ist jetzt schon unheimlich nerven- und willensstark. Talent allein reicht nämlich nicht. Man muss auch den nötigen Willen, die Nervenstärke und Ehrgeiz haben, um es so weit zu schaffen“, sagt Andreas Driessen. Seine Tochter meistere selbst die Doppelbelastung aus Schule und Sport optimal. „Ich habe wirklich Respekt davor, wie sie das alles unter einem Hut bekommt. Ihre Noten haben sich sogar verbessert, seitdem sie den Sport macht. Ich denke, weil sie sowohl in der Schule als auch beim Luftgewehr-Schießen Konzentration und Ehrgeiz braucht – und das hat sie.“