Ein Klever Unternehmen zeigt Herz

Die Niederrheinische Maschinenfabrik Kleve hat einen autistischen Mitarbeiter eingestellt / Tuan-Anh Phan fühlt sich wohl an der Flutstraße

KLEVE. Fachabitur, abgeschlossene Ausbildung zum Feinwerkmechaniker und eine Festanstellung als Zerspannungsmechaniker. Klingt erstmal nach keinem besonderen Werdegang. Doch bei Tuan-Anh Phan war dieser alles andere als selbstverständlich. Der 25-Jährige hat eine autistische Erkrankung. Seit neun Monaten verstärkt er trotzdem das Team der Niederrheinischen Maschinenfabrik Kleve.

Tuan-Anh Phan (r.) ist glücklich über die Chance, die ihm Siegfried Kobert (2. v.l.) gegeben hat. Stefan Schapfeld (l.) und Martina Tück beraten bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung. NN-Foto: SP

Geschäftsführer Siegfried Kobert hatte keine Angst davor, einen Menschen mit Behinderung einzustellen. „Es braucht aber mehr Zeit“, sagt Kobert im Hinblick auf die obligatorische Einarbeitung. Bei der Niederrheinischen Maschinenfabrik Kleve haben die Kollegen jedoch Verständnis dafür, dass Phan etwas mehr Zeit benötigt, um Dinge zu begreifen und umzusetzen. „Einen Menschen mit einer Behinderung einzugliedern, erfordert Fingerspitzengefühl. Aber es ist eine super Sache“, resümiert Kobert. Denn Phan leiste gute Arbeit und bringe menschlich ganz viel mit, worin sich Kobert für seinen Mut belohnt sieht.

„Mir gefällt‘s hier sehr gut“, sagt Phan selbst und ist gleichzeitig sichtlich dankbar für die Chance, die ihm gegeben wurde. Einen Menschen mit Behinderung einzustellen, trauen sich allerdings noch nicht alle Unternehmen. Berührungsängste und Unsicherheiten auf Seiten der Unternehmen seien Faktoren, die es den Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt schwer mache.

Die Arbeitsagentur Wesel steht interessierten Unternehmen allerdings zur Seite. Martina Tück, Arbeitsvermittlerin bei der Bundesagentur für Arbeit Wesel, ist dabei beratend tätig. „Wir versuchen ein Ansprechpartner zu sein und klären auch über Fördergelder und Zuschüsse auf, die es gibt, wenn ein Unternehmen jemanden mit einer Behinderung einstellt“, sagt Tück. Tuan-Anh Phan sei ein gelungenes Beispiel, das anderen Unternehmen Mut machen soll. „Man sieht an ihm, dass es funktioniert“, sagt Tück.

Auch Menschen mit einer Behinderung haben ein hohes Potenzial

Stefan Schapfeld, Teamleiter Rehabilitanden/schwerbehinderte Menschen der Agentur für Arbeit Wesel, sieht in der Einstellung von Menschen mit Behinderung auch eine Chance den Fachkräftemangel ein Stück weit zu bekämpfen. „Auch Menschen mit einer Behinderung haben ein hohes Potenzial. Sie haben oftmals eine hohe Schulbildung oder sogar einen akademischen Abschluss“, sagt Schapfeld.

Rund jeder Elfte im Kreis Kleve ist schwerbehindert. Die Beschäftigung der Menschen mit einer schweren Behinderung steigt Jahr für Jahr an. Bis Freitag läuft noch die bundesweite Aktionswoche der Menschen mit Behinderung, anlässlich derer auch auf das Thema Arbeitsmarkt aufmerksam gemacht werden soll.