„Ohne mich“ wird’s ernst

Buch zum 8. Tom-Sawyer-Preis der Stadt Rees vorgestellt: Viele Beiträge behandeln sehr ernste Themen

Initiatoren, Sponsoren und Jury-Mitglieder stellen das Buch zum Tom-Sawyer-Preis der Stadt Rees vor.
NN-Foto: MB

REES. Zahlen verraten viel über den Stellenwert eines Wettbewerbs – so auch über die achte Auflage des Tom-Sawyer-Preises der Stadt Rees. 199 Beiträge von Kindern und Jugendlichen aus 13 deutschen Bundesländern hat die achtköpfige Jury in diesem Jahr bewertet – ein Beitrag kam sogar aus Ungarn. 120 Geschichten zum Thema „Ohne mich“ wurden aus NRW eingereichtet, davon 47 aus dem Kreis Kleve. 17 junge Autoren kommen aus Rees und den Ortschaften. „Wir hatten wieder mehr Einsendungen als beim letzten Mal“, freut sich Sigrid Mölleken, die Leiterin des Reeser Kulturamtes. 39 dieser Beiträge haben es in das Buch zum Wettbewerb geschafft, das nun im Reeser Rathaus vorgestellt wurde, darunter auch die Texte der 20 Preisträger in den vier Altersgruppen.

Bemerkenswert ist auch folgende Zahl: Nur 37 Beiträge (18,5 Prozent) wurden von männlichen Nachwuchs-Autoren eingereicht. „Wir hatten noch nie so wenige Jungen dabei“, sagt Jurorin Angela Furtkamp, die zusammen mit NN-Redakteur Michael Scholten die Geschichten der Fünft- und Sechstklässler (Gruppe A) bewertet hat. Letzterem ist bei der Sichtung der Texte etwas ganz anderes aufgefallen: eine ernste, manchmal negative, ja fast deprimierende Grundstimmung in vielen Beiträgen. „Oft ging es um die Frage: Wie wäre das Leben ohne mich?“, berichtet Scholten. „Oder es ging um das Thema Selbstmord oder den Tod des Vaters.“ Sein Vorschlag lautet daher für die nächste Auflage des Wettbewerbs in zwei Jahren: „Wir sollten uns dann ein positiveres Motto überlegen, zum Beispiel: Da bin ich dabei!“

Gleichzeitig, so merkt Angela Furtkamp an, sei es jedoch auch „bemerkenswert, dass es viel schlechte Rechtschreibung gab. Viele Teilnehmer konnten froh sein, dass wir diesen Aspekt nicht stärker mit in die Wertung genommen haben.“ Dieser Beobachtung schließt sich Michael Scholten an, ergänzt aber: „War der Text inhaltlich gut, war in der Regel auch die Rechtschreibung gut. Außerdem hatten wir diesmal eine deutlich größere Auswahl an Beiträgen, die mit ins Buch genommen werden konnten – und daher auch mehr Diskussionsbedarf.“ Furtkamp bestätigt: „Wir hatten mehr tolle Geschichten als vor zwei Jahren.“

Die Preisträger
Gruppe A (5./6. Klasse):
1. Hannah Grauer, Rheinfelden
2. Marie Friedrich, Hattingen
3. Lars Schall, Mörstadt
4. Melanie Shahin, Kerken
5. Jana Engel, Garbsen
Gruppe B (7./8. Klasse):
1. Marie von Ewald, Emmerich
2. Monika Lukaszczyk, Geldern
Marie-Sophie Raich, Dresden
4. Emilia Forster, München
5. Jana Wunderlich, München
Gruppe C (9./10. Klasse):
1. Noemi Lan Weiss, Uedem
2. Nova Marie Narzynski, W‘donk
3. Lilli Reuter, Merzig
4. Zita Ellwart, Hamm
5. Anna Heßelmann, Moers
Gruppe D (11.-13. Klasse):
1. Pauline Weinberg, Durach
2. Matthias Liebelt, Öhringen
3. Katharina Hopp, Alzenau
4. Marvin Hucke, Fulda
5. Janina Fellgiebel, Traunreut
Die Jury: Angela Furtkamp, Michael Scholten (Gruppe A), Volker Himmelberg, Julius Brüntink (B), Claudia Groenewald, Ludger Kazmierczak (C), Heiner Frost, Barbara Edwards (D)

Für die acht Jurymitglieder bedeutete dies wieder viel Lesestoff. So galt es zunächst für die beiden Juroren jeder Gruppe, alle Beiträge zu sichten und sich auf eine erste „Top Ten“ zu einigen. Diese zehn besten Beiträge jeder Gruppe wiederum wurden dann noch einmal von allen Jury-Mitgliedern gelesen, bevor die Preisträger bestimmt wurden. Von den Teilnehmern der Reeser Schreibtwerkstatt hat es derweil keiner unter die 20 Preisträger geschafft.

Die niedrige Zahl an männlichen Teilnehmer schlägt sich auch bei den Preisträgern nieder: 17 der 20 Preise gehen an Mädchen. Fünf Preisträger kommen dabei aus dem Kreis Kleve. „Wir haben auch einige Wiederholungstäter“, verrät Thomas Dierkes, Leiter der Reeser Stadtbücherei. So gehörten Katharina Hopp und Matthias Liebelt (Gruppe D) bereits vor zwei Jahren zu den Preisträgern, Liebelt auch schon 2012 und 2014.

Insgesamt sind in der Gruppe A 42 Beiträge eingereicht worden, in Gruppe B 59. Jeweils 49 Geschichten hat die Jury in den Gruppen C und D bewertet. Die Erstplatzierten erhalten 300 Euro, die Zweitplatzierten 200 Euro. Für die Ränge drei bis fünf gibt es jeweils 100 Euro.

Neben den Beiträgen der 20 Preisträger haben es 19 weitere Geschichten in das neue Buch geschafft, das den Titel des Wettbewerbs trägt: „Ohne mich!“ Mit Jana Hardering und Nils Tepaße sind auch zwei Autoren aus Rees vertreten sowie drei weitere Nachwuchs-Schriftsteller aus dem Kreis Kleve – darunter Laurenz van Bonn, der vor zwei Jahren bereits zur den Preisträgern gehörte.

Das Buch, das ab sofort für 9,80 Euro im Handel erhältlich ist, beinhaltet eine laut Bürgermeister Christoph Gerwers „tolle Auswahl bemerkenswerter Geschichten“. Die Preisträger werden am Sonntag, 2. Dezember, ab 11 Uhr im Reeser Bürgerhaus ausgezeichnet. Anreise und Übernachtung zahlt übrigens die Stadt Rees, sofern die Preisträger aus einen anderen Bundesland kommen. Für Thomas Dierkes ist die Einladung zur Preisverleihung auch ein Ansporn an die jungen Autoren: „Das Schreiben, Texte planen und entwerfen ist eine hohe Kunst. Deshalb wünschen wir, dass alle Teilnehmer weitermachen.“