Fairtrade für mehr Menschenwürde

Zweite Re-Zertifizierung von Xanten als Fairtrade Stadt. In den letzten sechs Jahren wurde viel erreicht

XANTEN. Xanten ist Fairtrade-Stadt und das schon seit sechs Jahren. Die Eine Welt-Gruppe und die Kolpingsfamilie Xanten hatten 2012 die Initiative dazu ins Rollen gebracht. Der Rat stimmte der Bewerbung zu, und Xanten wurde nach Wesel und Dinslaken dritte Stadt im Kreis Wesel und 122. Fairtrade-Stadt in Deutschland.

Zur Fairtrade-Steuerungsgruppe Xanten gehören: Dr. Wolfgang Schneider, Klaus Wolfertz, Margarita Peinemann, Anette Artz, Margareta Felbert, Christoph Laugs, Irene van Dam, Martina Wagner, Werner Fellmann, Tanko Scholten und Bürgermeister Thomas Götrz.                                                                                         NN-Foto: L. Christian

Es steckt viel mehr dahinter, als nur mal ein Formular auszufüllen und von Fair Trade Deutschland zertifiziert zu werden. Das erläuterte nun Klaus Haan von der Stadt Xanten. Und auch wenn inzwischen die zweite Re-Zertifizierung erfolgt ist, ist das kein Routineakt. Es steckt ein dynamischer Prozess dahinter, getragen von vielen Multiplikatoren. „Die Zertifizierung bezieht sich nicht nur aufs Rathaus, wo mindestens zwei Produkte aus Fairem Handel eingesetzt werden, zum Beispiel Kaffee und Getränke bei Bewirtung von Gästen. Es muss auch ein Nachweis erbracht werden, dass sich eine lokale Steuerungsgruppe aus Personen gebildet hat, die aus den Bereichen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft kommen. Auch die Einzelhandelsgeschäfte müssen sich beteiligen und Produkte anbieten, ebenso öffentliche Einrichtungen und es ist entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zu leisten“, beschreibt Haan die Kriterien, die zur Titel-Verleihung führen.
In Xanten schaffte es die Steuerungsgruppe, viele Menschen für den Einsatz von fair gehandelten Produkten zu begeistern. Sowohl die Marienschule als auch die Gesamtschule wurden bereits ausgezeichnet als „Fairtrade-School“, das Stiftsgymnasium bemüht sich nun ebenfalls um diese Zertifizierung. Die beiden Kirchengemeinden haben sich verpflichtet, keine Produkte zu nutzen, die in ausbeuterischer Kinderarbeit entstanden sind (Unterzeichnung „Magna Charta“). Die Katholische Propsteigemeinde versteht sich als „Öko-faire Gemeinde“, in der Umweltschutz, Nachhaltigkeit und fairer Handel eine große Rolle spielen. Der DPSG-Pfadfinderstamm St. Viktor Xanten hat im Oktober seine Bewerbung als Fairtrade-Scouts abgegeben – bundesweit gibt es erst zehn Fairtrade-Scouts-Stämme.
Die Eine-Welt-Gruppe und die Kolpingsfamilie laden jährlich alle Xantener zum „Fairen Frühstück“ ein. Mehrmals führten sie schon ein „Menschenkicker-Turnier“ durch und legten das Augenmerk auf fair hergestellte Fußbälle, angefertigt durch die Gocher Firma Derby Star und mit dem Fair Trade-Stadtemblem Xanten versehen, eine einzigartige Besonderheit in Deutschland. Bürgermeister Thomas Görtz stattete viele Vereine und Schulen mit diesen besonderen Bällen aus.
Jeder Neubürger erhält eine Fairtrade-Leinentasche als Willkommensgruß der Stadt Xanten, gefüllt mit vielen Informationen zur Stadt.
Und ebenfalls ins Auge springt die Bemalung der Stromkästen in der Innenstadt. Unter dem Motto „Fairtrade-Stadt Xanten – bunt, tolerant, weltoffen“ haben auf Initative von Klaus Wolfertz und der Einen Welt -Gruppe viele Vereine die Stahlkästen „fairschönert“.
Und doch ruhen sich die Mitglieder der Steuerungsgruppe nicht auf diese „Lorbeeren“ aus, sondern wollen das Thema ständig wachhalten, neue Einzelhändler und Gastronomen gewinnen, die mitmachen und fair gehandelte Produkte anbieten.
„Wir planen keine großen Aktionen“, beschreibt Dr. Wolfgang Schneider von der Weltgruppe die anstehende Arbeit der Ehrenamtler, „sondern wollen das Bewusstsein festigen, unseren Standard halten und Schritt für Schritt ausbauen.“