Moyland auf der Suche

Ein Museum ist auf der Suche. Präzise: Das Museum Schloss Moyland sucht Chefsesselbesetzer auf der künstlerischen Ebene. DirektorIn also.
Was sollte man mitbringen? „Ein – möglichst mit Promotion – abgeschlossenes Studium der Kunstgeschichte.“ Unterhalb der Doktoralität wird die Luft eng. Mehrjährige Berufserfahrung? Das versteht sich von selbst. Was noch? Erfahrung in Öffentlichkeitsarbeit und Personalführung. (Ja, das ist die Rangfolge). Muss man es erwähnen: Ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Verhandlungsgeschick [auch, wenn es um den eignen Kopf geht. Anmerkung der Redaktion]. Erfahrung im Umgang mit Mäzenen, Sponsoren und Drittmittelgebern [ein hübsches Wort!], gute, fließende Englischkenntnisse. Weitere Fremdsprachenkenntnisse wie beispielsweise Niederländisch und Französisch sind erwünscht.
Der Vertrag ist mit Möglichkeit der Verlängerung auf fünf Jahre befristet. Erwartet wird die Wohnsitznahme in der Region.
Nicht erwähnt ist die unbedingt erforderliche hohe Risikobereitschaft. Es geht bisweilen rau zu an der Spitze von internationalen Häusern. Empfehlenswert für potenzielle BewerberInnen dürfte ein Blick in die Machtstrukturen sein. Also: Wer hat das Sagen? Es geht um ein Weiterleben zwischen Vorstand und Kuratorium. Das hat schon öfter zu Spannungen geführt und nicht zuletzt die nordrhein-westfälische Kultusministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen wurde kürzlich damit zitiert, man müsse in Moyland Grundsätzliches – auch in den Verantwortlichkeiten – ändern. Sogar der Begriff Querelen wurde genannt.
Man sollte also den BewerberInnen in jedem Fall zur Vorsicht raten oder vielleicht auch zu einem vertraulichen Gespräch mit Christoph Schaden, Peter Dehring oder Bettina Paust – allesamt ehemalige ChefInnensesselbesetzerInnen. Ob die Vorgenannten allerdings Sprecherlaubnisse haben, ist schwer einzuschätzen. In der Regel enden Vertragsenden in sprachbezogenen Kunstpausen. (Der Maulkorbshügel.)
Oder soll man alles jetzt endlich einmal einfach positiv sehen? Neue Weichen für ein altes Kunstschloss? Was könnte nicht alles gemacht und auf die Beine gestellt werden? Da muss nur jemand kommen, der/die eine längst aufgeriebene MitarbeiterInnen mit ins Boot holt. Motivationskünste sind gefragt. Ein Doktortitel ist nicht selten in erster Linie ein schnell wirkendes Narkosemittel für Entscheider.
Letzter Rat für BewerberInnen: Vielleicht mal herausfinden, wie es mit der Besetzung des Stelle kaufmännische Direktion aussieht. Es dürfte wenig zielführend sein, wenn am Ende zwei Selbstdarsteller in Konkurrenz treten. Man sollte miteinander können. Man muss nicht unken, aber Moyland wird nicht mehr viele Chancen bekommen. Also: Glück zu wünschen wäre fatal. Es geht um tragfähige Entscheidungen.