Freya sitzt oft stundenlang unbeweglich auf einer Stelle. Manchmal versteckt, manchmal gut zu sehen. Dann sind wunderbare fotografische Aufnahmen der Waldohreule möglich.Foto: privat

KEVELAER. Hildegard und Horst van Lier sind echte Glückspilze. Ihnen ist etwas geglückt, worum sie andere Gartenbesitzer insgeheim beneiden. In ihrem Garten mitten in Kevelaer lebt seit circa zwei Monaten Freya. Wer immer sie zu Gesicht bekommt, ist von ihrer Schönheit beeindruckt, ihren steil aufgerichteten Federohren ihren klugen, orangegelben Augen und ihrem fein gezeichneten Gefieder. „Auf einmal kam sie herangeschwebt und ließ sich in unseren hohen Bäumen nieder“, erinnern sich die van Liers an ihre erste Begegnung mit der Waldohreule. Nie zuvor hatten sie einen Tier dieser Spezies in freier Wildbahn gesehen. Ihre Begeisterung war dementsprechen groß. Anfangs zeigt sich Freya ihren Gastgebern nur von Ferne, dann rückte sie immer näher heran, so dass Hildegard und Horst van Lier sie direkt von ihrer Terasse fotografieren konnten. „Anfangs, als wir das Tier nur von weitem sahen, dachten wir es sei ein Uhu.“ Bei näherem Hinsehen erkannten in Freya eine Waldohreule. Die folgenden Fotos – mittlerweile sind es weit über 100 – bestätigten diese Annahme.

Freya sitzt oft stundenlang unbeweglich auf einer Stelle. Manchmal versteckt, manchmal gut zu sehen. Dann sind wunderbare fotografische Aufnahmen der Waldohreule möglich.Foto: privat

Allerdings ist Freya nicht jeden Tag bereit für eine Fotosession. Ab und an versteckt sie sich in den großen Nadelbäumen des van Lierschen Gartens, die Farbe ihres Gefieder bietet ihr dafür eine perfekte Tarnung, und schaut sich das Treiben im Garten mit heiterer Gelassenheit von oben an. „Wenn wir sie zwei Tage nicht gesehen haben, werden wir schon ganz nervös“, bekennt Horst van Lier.
Jeden Morgen gehen die Eheleute zuerst in den Garten, um ihre Mitbewohnerin zu begrüßen, danach beginnen sie ihr Tagewerk. „Anfangs haben wir draußen nur geflüstert, wenn wir miteinander gesprochen haben“, schmunzelt Hildegard van Lier. „Wir hatten wohl die Sorge, Freya zu verschrecken, denn anfangs haute sie ab, wenn wir ihr zunahe kamen“, erinnert sich Horst van Lier. Schnell normalisierte sich die Gesprächslautstärke der Hausbesitzer und ihrer Gäste, denn Freya zeigt keine Rückzugstendenzen mehr. Lediglich gegen Abend macht sie sich auf den Weg, um Beute zu machen und schwebt davon. Dann späht sie vor allem nach Feldmäusen, dem Hauptbestandteil ihrer Nahrung. Ab und zu schnappen sich Waldohreulen auch einen Kleinvogel. Tagsüber hält Freya Siesta und sitzt oft stundenlang regungslos auf einem Zweig der hohen Bäume. Dass sich die Waldohreule ihren Garten als Quartier ausgesucht hat, ist natürlich eine Ehre, doch die van Liers haben auch etwas dafür getan. Oder besser gesagt, etwas unterlassen. Ihr Garten ist naturnah und ein Paradies für Orchideen. Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Horst van Lier mit europäischen Orchideen. Seinen Garten hat er den Bedürfnissen unterschiedlicher Orchideenarten angepasst. Darin leben nur freiwachsende, hiesige Orchideen. Ein Schild im Garten verkündet: „Naturschutzgebiet“. Möglicherweise hat Freya das „gelesen“ und gedacht: „Hier kannst du dich ruhig niederlassen.“ Und weil sie so wohl fühlt, hat sie sich einen Gast eingeladen. Mit Odin wohnt inzwischen die zweite Waldohreule im Garten der van Liers. Doppeltes Glück.