Erinnerung gegen das Vergessen

Eine deutsch-niederländische Delegation fuhr nach Nimwegen, um den Kriegsopfern (1944) zu gedenken

NIEDERRHEIN. Die „Stadt mit den Türmen“ wurde Nimwegen früher genannt – ein prachtvoller Ort, der am 22. Februar 1944 auf tragische Weise zerstört wurde. Amerikanische Soldaten verwechselten an jenem Tag die älteste Stadt der Niederlande mit Kleve und warfen irrtümlicher Weise ihre Bomben auf Nimwegen ab. Fast 800 Menschen – darunter viele Zivilisten und 24 Kinder der Nijmegener Montessorischule sowie acht Erzieherinnen – kamen dabei ums Leben. Jährlich denkt Nimwegen am 22. Februar an dieses schreckliche Ereignis zurück. Zum ersten Mal reiste anlässlich des Gedenktages auch eine deutsch-niederländische Delegation zusammen mit NATO-Soldaten aus Kalkar in die Provinz Gelderland.

Vor dem Nimweger Stadthaus gedachte die deutsch-niederländische Delegation den Opfern vom 22. Februar 1944. NN-Foto: SP

Auf dem Programm stand neben einem Empfang bei Nimwegens Bürgermeister, Hubert Bruls, dem Besuch des Denkmales an die Zerstörung Nimwegens 1944 vor dem Stadthaus, auch die Teilnahme am „Sunset March“ zu Ehren 48 gefallener Soldaten am Ende des zweiten Weltkrieges. Initiiert hatte diesen Termin Freddy Heinzel, Rechtsanwalt und Honorarkonsul des Königreichs der Niederlande. „Ich habe kürzlich in Groesbeek an einer Gedenkfeier teilgenommen und dabei wurde mir erzählt, dass jeden Tag zwei Veteranen bei Sonnenuntergang zu Ehren der gefallenen Soldaten ans andere Ufer marschieren“, so Heinzel. Der in Kleve noch recht unbekannte „Sunset March“ nahm Heinzel zum Anlass, eine Fahrt nach Nimwegen zu organisieren und diese gleichzeitig um den Gedenktag zur irrtümlichen Zerstörung Nimwegens zu ergänzen. Zuvor war nämlich zu diesem Ereignis noch nie eine Klever Gruppe offiziell in die älteste Stadt der Niederlande gereist.

Neben den NATO-Soldaten aus Kalkar (Bereich Luftwaffe), nahm eine Abordnung des niederländisch-deutschen Businessclubs sowie Vertreter der Stadt Kleve und andere Interessierte an dem Gedenken teil. Bereits der erste Punkt auf der Tagesordnung, das Niederlegen eines Blumengebindes am Denkmal der Zerstörung der Innenstadt Nimwegens, bewegte alle sehr. „Es ist eine sehr traurige Geschichte, aber es ist wichtig, an die Opfer zu gedenken und daran zu erinnern, wie sich ein Krieg verselbstständigen kann, damit so etwas nie mehr passiert“, sagte Josef Gietemann, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Kleve.

Nimwegens Bürgermeister Hubert Bruls berichtete, dass lange Zeit nicht ausreichend an diese Geschehnisse gedacht wurde. „Seit 2010, als das Monument vor dem Stadthaus errichtet wurde, wurde mehr gedacht, als ab 1945 in all den Jahren zuvor“, so Bruls, der diese Entwicklung für gut befand: „Wir sind die ersten Generationen, die noch keinen Krieg bei uns miterlebt haben, aber wir dürfen nicht so tun, als ob die westeuropäische Geschichte nicht stattgefunden hätte.“

Die deutsch-niederländische Delegation beim „Sunset March“. NN-Foto: SP

Nur sechs Monate, nachdem die Soldaten der amerikanischen Luftwaffe fälschlicherweise Nimwegen anstatt Kleve zerstörten, kamen sie der Niederlande bei ihrer Befreiung zur Hilfe. Die Brücke „De Oversteek“ bei Nimwegen wurde den 48 bei der Waal-Überquerung im Rahmen der Operation „Market Garden“ im September 1944 gestorbenen Soldaten zu ehren gebaut und ist das größte Kriegsdenkmal Europas. Täglich laufen hier – sobald das erste Licht angegangen ist – zwei Veteranen bei Sonnenuntergang über die Brücke zum anderen Ufer.

Am vergangenen Donnerstag liefen auch die deutsch-niederländische Delegation und die NATO-Soldaten aus Kalkar beim „Sunset March“ mit. Nach und nach ging für jeden gefallenen Soldaten eine Laterne an – insgesamt 48. Ein magischer Moment am Ende eines bewegenden Besuches in Nimwegen.