schrill – schön – schräg

schrill – schön – schräg

Aris Roskamp: Pseudo-Omleek-Machine. Foto: Heiner Frost

EMMERICH. Man sollte hingehen und sich ansehen, was der Emmericher Kunstverein Haus im Park für die Jahresausstellung 2017 zusammengetragen hat.
Zu sehen gibt es vorwiegend Antidepressiva der feinen Sorte. Die Einnahme erfolgt über die Netzhaut. Über Nebenwirkungen lässt sich nur spekulieren. Dem einen oder anderen könnte es passieren, dass er zum Kunstbesitzer wird, denn was zu sehen ist – es ist ja Teil des Zirkus – ist zum Verkaufen/Kaufen (das hängt von der Perspektive ab) bestimmt.
Gälte es, drei Begriffe zu küren und sich noch dazu des Stabreims zu bedienen, würde man – siehe Überschrift – ‚schrill, schön, schräg‘ wählen und dabei in jedem Fall an die aberwitzigen Objekte des Niederländers Aris Roskamp denken. Da schafft es einer, dass man vor der Kunst steht und das Lachen nicht unterdrücken möchte. Es scheint aus diesen Skulpturen zu kommen und sich in den Raum zu arbeiten. Ganz wie ein Virus scheint das Denken hinter Roskamps Objekten nach Opfern Ausschau zu halten, die Kontakt aufnehmen. Ist der Kontakt einmal hergestellt, greift das Virus schonungslos an. Entkommen ist kaum möglich. „Lach doch mal“, sagen die Objekte. Es ist kein Lachen der blöden, vordergründigen Art. Irgendwie ist auch ein Grübeln vergraben – etwa bei der „Pseudo-Omleek-Machine“ (siehe Titelbild). Die  da grinsend weiße Zähne zeigen und Helmartiges auf dem Kopf tragen, sehen irgendwie witzig aus und sind doch auch hirnfreier Teil einer gleichwerdenden und gleichgerichteten Masse, die im Nichtssein aufblüht: Modernitätslemminge. Roskamp, dessen Arbeiten auch bei der Huntenkunst zu sehen waren, ist einer von denen, deren Handschrift unzweideutig daherkommt.
Eher unscheinbar (weil klein an Format) sind die Arbeiten von Philipp Valenta. Gerade noch glaubt man, da hätte einer Freigang von einem Origamiworkshop bekommen und die letzten Papierschnipsel aus den Taschen gekramt, um sie zu floralem Kleinzeug zurechtzudrappieren, da erzählt Kurator Werner Steinecke die Geschichte der Arbeiten. Sie sind aus Banknoten gemacht – solchen, die nicht mehr in Umlauf sind. Irgendwie dreht sich ein Schlüssel im Gehirn und öffnet das Sloganfenster: „Blüten zu Blüten“ steht da geschrieben. Aus Banknoten Kleinstblüten zu machen, ist auch irgendwie schrillschräg. Wer mehr von Valenta sehen will, sollte unbedingt
„http://www.philippvalenta.de/arbeiten“ ansteuern.
So arbeitet man sich durch die Ausstellung – Überraschungen an jeder Ecke: Zeichnungen, Malerei, Keramik – alles ziemlich spannend. Man steht vor den großformatigen (und -artigen) Zeichnungen von Welf Schiefer im Erdgeschoss und sieht dann treppauf, dass er verlustfrei auch klein kann. Man atmet Farbe hier und Fläche dort, mag nicht alles (aber dafür mögen andere anderes – es gleicht sich aus), aber man tritt beschwingt den Heimweg an – im Kopf noch immer ein großangelegtes Grinsen, das an diesen Herrn Roskamp erinnert. Morgen der Lottogewinn und übermorgen noch mal zurück an den Tatort Jahresausstellung: Ein bisschen shoppen. Das wär‘s.
Die Künstler der Ausstellung: Juliane Herden (Berlin), Jens Hunger (Berlin), Christof Knapp (Gummersbach), Edwin Peters (Arnheim), Wilfried Porwol (Kleve), Aris Roskamp (Strijen), E. M. Riemer-Sartory (Düsseldorf), Welf Schiefer (Hamburg), Jens Schmidt (Rees), Philipp Valenta (Hildesheim), VIR 3 (Pfalzdorf).
Zu sehen ist das Ganze noch bis zum 7. Januar im Haus im Park in Emmerich – samstags zwischen 13 und 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr. (Heiner Frost)

Die Ausstellung wird am Freitag, 1. Dezember, um 19 Uhr eröffnet.

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