KLEVE. Gestern war der 11.11. – für viele Menschen am Niederrhein ein wichtiger Tag, denn dann beginnt traditionell die fünfte Jahreszeit. Auch in Kleve hat sich das neue jecke Oberhaupt vorgestellt. Es ist der 42-jährige Maarten Vijselaar. Sein Motto, passend zu seinem Beinamen „der Lachende“: Mit Humor und Heiterkeit durch die Klever Narrenzeit. Im NN-Interview stellt sich der sympathische Karnevalist aus Reichswalde elf Fragen.
Gute Laune ist im Karneval unverzichtbar. Verspricht der Beiname eine besonders lustige Session?
Maarten: Ich hoffe schon. Ich bin von Natur aus ein fröhlicher Mensch und als einer meiner Gardisten das vorgeschlagen hat, waren wir uns schnell einig.
Du lebst in Kleve, hast aber einen niederländischen Pass?
Maarten: Ja. Meine Eltern sind beide aus den Niederlanden. Mein Vater hat für Siemens gearbeitet und wir sind oft umgezogen. Geboren bin ich in Österreich, in Krems an der Donau. Aufgewachsen bin ich in Bayern, zwischendurch waren wir aber auch ein halbes Jahr in Sri Lanka. Während des Baus des Atomkraftwerks in Kalkar sind wir an den Niederrhein gekommen und das hat meinen Eltern so gut gefallen, dass zumindest meine Mutter, meine Schwester und ich hier geblieben sind, während mein Vater beruflich weiter viel durch die Lande gezogen ist. Diese häufigen Wohnortwechsel haben mich dennoch positiv geprägt. Ich gehe schnell auf Menschen zu und bin sehr offen – es gibt eigentlich nur wenige Leute, mit denen ich gar nicht kann.
Und wie kam das dann mit dem Karneval?
Maarten: Den Straßenkarneval fand ich schon immer toll. In den Vereins-Karneval bin ich vor elf Jahren eher „reingerutscht“. Damals hat meine Tochter angefangen, bei der KG Fidelitas Materborn zu tanzen. Von da an ging es eigentlich Schlag auf Schlag. Schon ein halbes Jahr später durfte ich mit Prinz Aloys dem Paradiesischen in der Garde mitfahren – das hat sozusagen das Feuer entfacht. Danach kam die Arbeit im Vorstand. Aktuell bin ich Vorsitzender der Fidelitas und moderiere gemeinsam mit Tim Tripp, der auch in meiner Garde ist, und meiner Lebensgefährtin Petra Veldkamp unsere Sitzung.
Was gefällt dir besonders am Klever Karneval?
Maarten: Dass die Vereine nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Jede Gesellschaft hat einen anderen Schwerpunkt – bei einigen geht es mehr ums Tanzen, bei anderen ist Party angesagt und wieder andere legen ihren Schwerpunkt auf die Politik und die Bütten. Wir alle pflegen gemeinsam das Brauchtum – in oft düsteren Zeiten. Karneval bringt Licht und Fröhlichkeit in die Herzen.
Wer wird dich in der Session begleiten?
Maarten: 16 Gardisten, darunter einige „Urgesteine“, aber auch Jungs, die bislang gar nichts mit Karneval zu tun hatten. Außerdem ist die Jugendgarde von der Fidelitas dabei, auch mal die Fidelinchen, die Fünkchen und unsere Showtanzgruppe Finesse. Während unserer Sitzung helfen die Brejpott Tröpfchen aus. Meine Adjutanten sind Volker Veldkamp und Thomas Arntz. Das Prinzenlied singt Kathy Ehren, unser Prinzenlokal ist der Ratskrug. Besonders gespannt bin ich darauf, wie unsere Musikbegleitung aufgenommen wird. Das ist der Gocher Musikverein, ein Novum im Klever Karneval. Aber es hat sofort Klick gemacht und passt einfach. Wir alle freuen uns auf eine tolle gemeinsame Zeit.
Und deine Familie?
Maarten: Die steht natürlich voll hinter mir. Meine Eltern sind zwar nicht annähernd so jeck wie ich, aber sie haben viele Ideen mit eingebracht und halten mir den Rücken frei. Meine Mama sagt immer: Der Maarten wird Prinz, weil er mit ganz Kleve feiern möchte. Mein Sohn Jan-Hendrik ist 13 und nicht wirklich karnevalsbegeistert – trotzdem unterstützt er mich und findet es gut. Meine Tochter Annika (19) hingegen ist wie der Papa eine begeisterte Karnevalistin. Sie tanzt selber bei der Jugendgarde  und ist Teil des Trainierteams der Fidelitas Materborn. Sie ist voll dabei. Das gleich gilt für meine Lebensgefährtin Petra. Die ist im Klever Karneval ja auch keine Unbekannte.
Gibt es Dinge, auf die du dich besonder freust?
Maarten: Besonders freue ich mich auf die Kinder – die feiern mit ganzem Herzen Karneval. Und natürlich sind mir auch die älteren Menschen sehr wichtig. Die freuen sich auch von Herzen und es ist einfach ein schönes Gefühl, mit ihnen zu schunkeln oder von ihnen gedrückt zu werden. Ich würde aber lügen, wenn ich mich nicht auch riesig auf die ein oder andere Sitzung freuen würde. Bei einer Damensitzung über die Tische zu gehen – das ist auch toll. Es ist in jedem Fall falsch, den Karneval nur mit Party und Trinkgelagen abzutun. Karneval ist viel, viel mehr. Jetzt freue ich mich erstmal auf die Proklamation. Da kommen einige Kollegen (Anmerkung d. Red.: Maarten ist Bereichsleiter bei einem IT-Unternehmen in Krefeld) und weil ich ja Niederländer bin haben wir auch den Honorarkonsul Freddy Heinzel eingeladen. Der hat auch zugesagt – das freut mich sehr.
Bist du mit Blick auf die Proklamation kein bisschen nervös?
Maarten: Eigentlich nicht. Kurz vorher ganz bestimmt, aber ich werde keine schlaflosen Nächte haben. Ich habe vollstes Vertrauen in das Gesamtpaket. Ein kleines Problem könnte es höchstens textlich geben. Ich spreche gerne frei. Da könnte es sein, dass ich manchmal nicht so schnell die richtigen Worte finde. Aber das ist okay. So bin ich eben.
Hast du dir vorher Tipps bei den ehemaligen Prinzen geholt?
Maarten: Walter Heicks (Prinz Walter der Herzliche, 1999) hat mir mal gesagt, man solle sich nicht mit den anderen vergleichen und nicht versuchen irgendetwas nachzumachen. Jeder macht sein Ding. Aber natürlich gibt es Prinzen, die mich besonders beeindruckt haben. Aloys  Hermanns (Aloys der Paradiesische, 2008), der ja jetzt leider verstorben ist, war so einer.
Gibt es neben dem Karneval noch Zeit für andere Hobbys?
Maarten: Im Moment eher nicht, aber nach der Session ganz bestimmt wieder. Nach der Gardezeit mit Jens dem Tönendem haben wir den Kegelclub „Dolle Jonges“ gegründet. Außerdem gibt es die „Kochkönige“. Mein ältester Freundeskreis. Wir treffen uns einmal im Monat und kochen gemeinsam – am Jahresende dann auch für unsere Frauen. Und die können bestätigen: Anfangs waren wir echt schlecht, aber mittlerweile machen wir das doch ziemlich gut. Was ich nach der Session unbedingt in Angriff nehmen möchte, ist Saxophon lernen. Früher habe ich mal Klavier gespielt. Mit dem Saxophon starte ich bald richtig durch und nehme auch Unterricht.
Und am Aschermittwoch?
Maarten: Feiern wir weiter. Ich habe nämlich an dem Donnerstag Geburtstag.