Beim 16. Straelener Atriumsgespräch befassen sich acht Übersetzer mit Sasha Marianna Salzmanns Debütroman „Ausser sich“

STRAELEN. „Ich wollte nie mit Prosa anfangen, weil ich mit Dialogen aufgewachsen bin.“ Mit diesen Worten leitet die Autorin Sasha Marianna Salzmann die erste Arbeitssitzung des 16. Straelener Atriumsgesprächs im Europäischen Übersetzer-Kollegium ein. Salzmann, die das Theater lange Zeit als „ihr Werkzeug“ sah, fing im Rahmen eines Auslands- aufenthaltes in Istanbul mit dem Schreiben ihres Debütromans „Ausser sich“ an:

„Ich habe zehn Tage lang nur geschrieben, wollte das damals aber noch nicht als Buch sehen“, erläutert die in der Sowjetunion geborene Autorin. Aus dieser Zeit ist im Endeffekt eine halbe Seite geblieben. Der Rest des Romans ist erst nach einem weiteren Aufenthalt in Istanbul, bei dem Salzmann „wie im Wahn“ verschiedene Bücher gelesen hat, entstanden: „Ich finde es wichtig viel zu lesen, um einen Roman zu schreiben“, erklärt Salzmann. Danach kamen die Figuren des Romans nach und nach aus ihr heraus: „Ich lasse mir immer alles von meinen Figuren erzählen und plane nichts“, erklärt die Autorin, der es in ihrem Debütroman vor allem um Erinnerungen und die Wahrheit geht. Genau diese Erkenntnis ist es auch, die für Salzmann bei den Übersetzungen von Bedeutung ist: „Mir ist es wichtig, dass die Leser die emotionale Reise der Protagonisten nachempfinden können.“

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Sasha Marianna Salzmann bei der ersten Arbeitssitzung im Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen. NN-Foto: S. Dickel

Damit dies möglich ist, geht die Autorin gemeinsam mit der Moderatorin Marie Luise Knott und acht Übersetzern Seite für Seite ihres Debütromans durch. Zu Beginn steht jedoch erst einmal der Titel des Romans im Fokus. Von der englischsprachigen Übersetzerin kommt der Verweis auf die amerikanische Philosophin Judith Butler, den Salzmann bestätigt: „Am liebsten hätte ich ihr Zitat noch am Ende des Romans mit reingenommen, aber das ging leider nicht.“ Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Bedeutung des Titels, die Salzmann wie folgt erklärt: „Für mich ist es ein ausser sich sein, nicht ein ausser sich gehen.“ Deshalb beziehe sich der Titel für die Autorin auch auf das räumliche Ausser sich sein und nicht auf das Körperliche: „Die Figur des Alis hatte nie eine Chance. Es ist also keine Revolte, die stattfindet“, erklärt Salzmann den Bezug zum Protagonisten.
Aber auch fernab vom Titel des Romans gibt es viele Textstellen, die im Plenum diskutiert werden müssen. So fragt zum Beispiel ein Übersetzer nach der Bedeutung der Redewendung „den Kopf wieder auf die Schultern setzen“, die im folgenden Satz vorkommt: „Die Beamten warteten, bis Ali ihren roten Kopf wieder zurück auf die Schultern gesetzt hat (…)“. Salzmann lacht darauf und gesteht, dass das ein „typischer Salzmann“ sei: eine Redewendung, die es nur bei der Autorin gibt. Gemeint ist damit lediglich, das Vor- und anschließende Zurückbeugen mit dem Kopf. Seite für Seite kommen die Übersetzer so gemeinsam mit Knott und Salzmann den Geheimnissen der Sprache des Romans, und damit einhergehend dem Inhalt, auf die Spur. Eine Arbeit, die die Autorin am Ende der ersten Einheit als ungaublich „bereichernd und spannend“ beschreibt.

 
Karten für die öffentliche Lesung heute Abend um 19.30 Uhr im Europäischen Übersetzer-Kollegium, Kuhstraße 16 in Straelen, sind noch zum Preis von zehn Euro unter Telefon 02834/1068 erhätlich. Es steht nur ein begrenztes Platzkontingent zur Verfügung.