Modernisierungsoffensive der Bahn lässt auf sich warten – für die Stadt ist Zustand „nicht akzeptabel“

von -

EMMERICH. „Fahrradmitnahme begrenzt möglich“, heißt es auf der Homepage von Abellio Deutschland unter den Angaben zur RE 19-Verbindung zwischen Emmerich und Arnheim. De facto aber gestaltet es sich äußerst mühsam, ein Fahrrad mit in den Rhein-Ijssel-Express zu nehmen. Grund dafür ist der Bahnhof in Emmerich, wo das Gleis, an dem der RE 19 abfährt, nur über Treppen zu erreichen ist – Rampen oder Aufzüge fehlen. Ein Zustand, der für viel Unmut sorgt – sowohl bei Bahnreisenden als auch bei der Stadtverwaltung.

Für Rollstühle, Rollatoren und Fahrräder denkbar ungeeignet: der Bahnhof Emmerich.
Für Rollstühle, Rollatoren und Fahrräder denkbar ungeeignet: der Bahnhof Emmerich.

Bei einer Diskussionsrunde zwischen Emmericher Schülern und „Experten“ von Stadt und weiteren Institutionen war jüngst auch der Bahnhof ein Thema. Dieser sei nicht behindertengerecht, merkte eine Schülerin an. „Nicht nur das“, gab Bürgermeister Peter Hinze ihr Recht, „der Zustand insgesamt ist nicht akzeptabel.“ Stadtpressesprecher Tim Terhorst führt weiter aus: „Die fehlende Barrierefreiheit ist ein echter Missstand. Wir können nicht verstehen, dass sich die Bahn nicht stärker engagiert.“ Dies betreffe eben nicht nur die fehlenden Möglichkeiten, ein Fahrrad etwa im RE 19 ohne weitere Schwierigkeiten mitzuführen. „Die neue Verbindung in die Niederlande wird gut angenommen – solange man nicht auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist“, sagt Terhorst.

Im Gespräch mit dem Konzernbevollmächtigten Werner Lübberink habe man nach schnellen Lösungen gesucht, das scheint aber nicht möglich. „Unser Vorschlag war, an den Treppenabgängen Metallschienen zu installieren, über die man zumindest Fahrräder zum Bahnsteig schieben kann“, berichtet Terhorst. „Aber da sagt die Bahn, das sei versicherungstechnisch nicht abgesichert und man wolle das Risiko nicht tragen.“

Schon Hinze hatte während der Diskussionsrunde mit den Schülern kritisiert, die Bahn habe sich „sehr unbeweglich gezeigt“. Einzige Zusage sei gewesen, dass der Bahnhof bis 2020 barrierefrei sein soll – es wurde deutlich, dass dies für Hinze keine zufriedenstellende Lösung ist.

Auf Anfrage der NN teilt ein Bahnsprecher dazu mit: „Der Bahnhof Emmerich ist Bestandteil der Modernisierungsoffensive 2 (Mof2). Aus diesem Finanzierungstopf werden die Bahnhöfe in NRW barrierefrei ausgebaut und modernisiert. Der Bahnsteig für die Gleise 1/2 im Bahnhof Emmerich hat bereits 2015 neue Beläge und ein Blindenleitsystem erhalten. Auch das Dach und die Beleuchtung sind hier erneuert worden. Zusätzlich ist ein Wetterschutzhäuschen errrichtet worden. In einem zweiten Bauabschnitt werden dann ab 2020 der Mittelbahnsteig und die Personenunterführung modernisiert. Auch zwei Aufzüge werden gebaut. Der Einbau einer Fahrradschiene als Übergangslösung ist durch das Eisenbahn-Bundesamt nicht mehr zugelassen.“

Terhorst ergänzt, dass es ein weiteres Problem gibt: die unklare Situation rund um den Ausbau der Betuwe-Linie, „da gibt es viele Unsicherheiten, auch in Sachen Bahnhofsumfeld und -gebäude“. Davon betroffen sind auch die Pläne der Stadt zu „Park & Ride“-Möglichkeiten. Dafür habe man das Gelände hinter dem ehemaligen Schenker-Gebäude im Blick, erläutert Terhorst. „Es ist zugewachsen, hier wird zurzeit wild und illegal geparkt. Diese Fläche würden wir gerne für ‚Park & Ride‘ herrichten, auch um den ÖPNV zu stärken.“ Der Eindruck, den die Stadt im jüngsten Gespräch mit den Bahnvertretern gewonnen habe, sei, „dass wir da einen Knoten durchgeschlagen haben. Es fehlt eigentlich nur noch die Unterschrift der Bahn. Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr das Vorhaben angehen können.“

Kein Dach überm Rad: Fehlende Fahrradstellplätze oder -boxen sind ein Dauerthema rund um den Emmericher Bahnhof.
Kein Dach überm Rad: Fehlende Fahrradstellplätze oder -boxen sind ein Dauerthema rund um den Emmericher Bahnhof.

Auch fehlende Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sind ein Thema. „Die Räder werden immer teurer, daher wollen die Leute sie auch sicher abgestellt wissen, etwa in Fahrradboxen“, weiß Terhorst. Die Bahn habe ein Entgegenkommen signalisiert: Hinter dem Bahnhof gebe es eine Fläche, die laut Bahn grundsätzlich für diesen Zweck nutzbar sei. Doch es gibt auch hier ein Aber, sagt Terhorst: „Um dafür Fördermittel des VRR zu erhalten, müssen wir ein Gesamtkonzept zum Bahnhof und zum Umfeld vorlegen – das können wir aufgrund der unklaren Situation zur Betuwe eben nicht.“

Ein ständiger Stein des Anstoßes sind die ungepflegten Grünflächen rund um den Bahnhof. „Hier sagt die Bahn, es gebe einen allgemeinen Schlüssel für alle Bahnhöfe, nach dem der zuständige Dienstleister arbeitet. Und daher kann es eben sein, dass er nur zwei- oder dreimal im Jahr vorbeikommt“, erläutert Terhorst. Dazu heißt es seitens des Bahnsprechers: „DB Station & Service reinigt in regelmäßigen Abständen das Bahnhofsumfeld und den Zugang zum Bahnhof. Derzeit sorgt die feuchte Wetterlage für einen überdurchschnittlich schnellen Wuchs der Wild­kräuter, die regelmäßig entfernet oder gekürzt werden.“

Die Deutsche Bahn jedenfalls betont, sie stehe „in engem und konstruktivem Austausch mit der Stadt Emmerich, um in gemeinsamen Gesprächen Fragen rund um den Bahnbetrieb zu erörtern“. Ob man das auf Seiten der Stadt auch so sieht, darf bezweifelt werden.