Frauenberatungsstelle Impuls e. V. hat im Jahr 2016 insgesamt 499 Frauen beraten

Maren Haukes-Kamman (l) und Marion Claaßen (r) stellten den Jahresbericht 2016 vor. NN-Foto: CDS

GOCH. Wenn sich die Zahlen in einer Bilanz erhöhen, dann ist das meistens ein Grund zur Freude. Bei den Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle Impuls ist es eher ein Anlass zur Sorge.

„Wir haben 2016 insgesamt 499 Frauen beraten“, berichtet Marion Claaßen. 649 Kinder waren dabei direkt oder indirekt von der Gewalt gegen die Frauen mitbetroffen. Im Vergleich: 2015 waren es 443 Frauen, die bei Impuls Hilfe suchten. 499 – das sind 29 Fälle mehr, als in den zuvor geführten Verhandlungen über Fallpauschalen mit dem Kreis Kleve und den Kommunen angesetzt waren. „Das wird jetzt auf jeden Fall Thema in den kommenden Verhandlungen werden“, so Marion Claaßen.

Allein 2017 haben schon 119 Frauen wegen häuslicher Gewalt Hilfe bei der FBS Impuls gesucht. Festgestellt haben die Beraterinnen dabei, dass die Heftigkeit der Gewalt zunimmt und dass immer öfter Kinder direkt oder indirekt betroffen sind. In solchen Fällen wird automatisch das Jugendamt eingeschaltet. Laut Gesetz muss es nach dem Einsatz der Polizei zudem eine Interventionsberatung geben. „Wir sind die einzige Stelle im Kreis, die das macht“, betont Marion Claaßen. „Wir beraten zeitnah und nehmen Kontakt auf“, erzählt ihre Kollegin Maren Haukes-Kamann. Je nachdem, wie sich die Situation darstelle, sei das mit viel oder wenig Arbeit verbunden. Oft mache die Sprachbarriere die Verständigung schwierig: „Dann brauchen wir jemanden, der dolmetscht und sensibel für das Thema ist“, so Marion Claaßen. Das kostet dann einfach mehr Zeit, weiß auch ihre Kollegin.

Bei der FBS Impuls hat man außerdem einen Anstieg der Beratung zur sexualisierten Gewalt festgestellt. Von 2015 auf 2016 haben sich die Zahlen verdoppelt. „Das Thema ist präsenter und Frauen fassen den Mut, sich beraten zu lassen“, sagt Maren Haukes-Kammann, die seit dem 1. Dezember 2016 das Impuls-Team mit diesem Beratungs-Schwerpunkt verstärkt. „Die Gewalt gab es vorher schon, jetzt ist sie offensichtlicher“, erklärt Marion Claaßen, „die Frauen wollen mit jemandem sprechen und stoßen im näheren Umfeld auf wenig Verständnis.“

Bei der Beratung gehe es auf gar keinen Fall um Kritik oder Bewertung. „Die Frauen können sich mit Unterstützung selbst sortieren“, bringt es Maren Haukes-Kammann auf den Punkt. Werde der Mann durch die Polizei für zehn Tage der Wohnung verwiesen, verschaffe das den Frauen die Möglichkeit, sich darüber klar zu werden, welchen Weg sie gehen möchten. Nur in den seltensten Fällen sei der Mann bereit, ein Beratungsangebot anzunehmen und ein Anti-Gewalttraining, zum Beispiel beim Verein „Zukunft ohne Zoff“, zu absolvieren, so die Erfahrung der Beraterinnen. Ein Selbstbehauptungstraining für Frauen unter dem Titel „Wenn Du“ soll am 11. und 12. November in Goch stattfinden. Zwölf Frauen können mitmachen, der Kurs kostet zehn Euro. Weitere Infos dazu gibt es bei der FBS Impuls.

Ein großes Thema ist auch die Beratung zu Essstörungen. 88 Frauen und Mädchen – das sind 18 Prozent – ließen sich bei Impuls beraten. Nach den Sommerferien starten wieder zwei Kurse für Betroffene bzw. für Mütter von Betroffenen.

Die ratsuchenden Frauen verteilten sich folgendermaßen auf die Städte und Gemeinden im Kreis Kleve: Bedburg-Hau 17 (drei Prozent); Emmerich 57 (elf Prozent); Geldern 49 (zehn Prozent); Goch 120 (24 Prozent); Issum sechs (ein Prozent); Kalkar 17 (drei Prozent); Kerken elf (zwei Prozent); Kevelaer 45 (neun Prozent); Kleve 87 (17 Prozent); Kranenburg sechs (ein Prozent); Rees 21 (vier Prozent); Rheurdt eine (null Prozent); Straelen 14 (drei Prozent); Uedem neun (zwei Prozent); Wachtendonk acht (zwei Prozent); Weeze 16 (drei Prozent); Sonstige 15 (drei Prozent). Weitere Informationen zur Arbeit der Beratungsstelle gibt es unter www.fb-impuls.de.
Hintergrund
Die psychosoziale Frauenberatungsstelle Impuls e.V., in Trägerschaft von Frauen helfen Frauen e.V., ist seit 2000 im Kreis Kleve aktiv. Vom Hauptsitz in Goch wird die Beratungs-, Präventions- und Vernetzungsarbeit auch an den Standorten Kleve, Emmerich und Geldern koordiniert.