AfD-Bundestagskandidat Gerd Plorin über Euro, Migration und Energiewende

KREIS KLEVE. Ist Deutschland eine Bananenrepublik? Nein – zumindest noch nicht, meint Gerd Plorin. Er sehe das Land jedoch auf dem Weg dorthin, sagt der 67-jährige Klever, der sich mit harten, teils markigen Worten der Presse als Direktkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) im Kreis Kleve für die Bundestagswahl vorgestellt hat. Dabei greift er die etablierten Parteien an und lässt auch an den meisten der übrigen Kandidaten aus dem Kreis kein gutes Haar.

Gerd Plorin stellt sich der Herausforderung und geht als Direktkandidat der AfD Kreis Kleve in den Bundestagswahlkampf. NN-Foto: MB
Gerd Plorin stellt sich der Herausforderung und geht als Direktkandidat der AfD Kreis Kleve in den Bundestagswahlkampf.
NN-Foto: MB

Politik habe ihn schon immer interessiert, berichtet Plorin. Einer Partei, eben der AfD, schloss er sich aber erst spät an und das maßgeblich aufgrund zweier Ereignisse: der Öffnung der europäischen Grenzen („Ein Staat, der seine Grenzen aufgibt, gibt sich selbst auf“, sagt Plorin) und der Euro-Einführung. „Das, was die Leute der AfD dazu vertraten, entsprach weitestgehend meiner Auffassung.“

Es ist für ihn bereits die zweite Direktkandidatur nach 2013. Mit mehr als 90 Prozent der Stimmen wurde er von der Kreiswahlversammlung gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es laut AfD-Kreissprecher Kai Habicht am Ende nicht. „Wir hatten noch einen jüngeren Kandidaten, der aber hat seine Kandidatur zurückgezogen, um Herrn Plorin – ein Urgestein der AfD im Kreis Kleve – zu unterstützen. Er wollte auch nicht, dass es zu einer Kampfkandidatur kommt.“ Zumindest da unterscheidet sich die AfD nicht von den „Blockparteien“, wie sie Plorin nennt: Eine Wahl gibt es nur bei einem Kandidaten.

Drei Themen hat sich Plorin aus dem umfangreichen Wahlprogramm der AfD herausgesucht, die ihn besonders beschäftigen. „Denn hinter diesen treten alle anderen Themen wie Bildung, Rente, Infrastruktur und Mietpreisbremse zurück.“ Es sind die „Billionen-Themen“, wie Plorin sie nennt, da sie den Staat in den kommenden Jahren seiner Auffassung nach Billionen kosten werden: die Währungsfrage, die Migration und die Energiewende. „Diese Belastungen bringen uns um“, warnt Plorin und wirft den „Dilettanten in Berlin“ vor, mit ihrer Politik in diesen Punkten „Mord und Totschlag“ herbeizuführen. Er positioniert sich in diesem Thementrio deutlich.
Währungsfrage: Raus aus dem Euro, ist seine knappe und klare Forderung.
Migration: „Wir müssen die Kontrolle über unsere Grenzen zurückgewinnen“, sagt Plorin, „ein Staat muss wissen, wer sich hier aufhält.“ Zudem müsse man illegale Einwanderer schneller identifizieren und konsequenter zurückführen.
Energiewende: Grundsätzlich spricht sich Plorin nicht gegen die Energiewende aus, „aber doch nicht so“. Er spricht sich dafür aus, „unsere relativ hochsicheren Atomkraftwerke laufen zu lassen“, bis die alternativen Energien flächendeckend einsatzbereit sind.

Die Kandidaten
AfD-Kandidat Gerd Plorin hält sich selbst für „den qualifiziertesten alles Bundestagskandidaten aus dem Kreis“. Das sagt er über…
Barbara Hendricks (SPD): „Sie hat für den ESM gestimmt und damit völlig versagt.“
Stefan Rouenhoff (CDU): „Er ist bislang vorsichtig, leise abstastend aufgetreten. Er war auf einmal da. Sein Vorgänger hat den ganzen Niederrhein verarscht, von ihm hat man an politischen Aussagen im Wahlkampf noch nichts gehört.“
Ralf Klapdor (FDP): „Er hat sich aufgrund seiner Aussagen zum Euro disqualifiziert.“
Bruno Jöbkes (Grüne): „Ich kann nichts finden, was ich ihm entgegenhalten könnte – er ist nur in der falschen Partei.“

Bleibt noch der eingangs erwähnte Punkt der „Bananenrepublik“ Deutschland. Plorin untermauert seine Meinung mit Beispielen, etwa das „Lex AfD“; so habe der Bundestag mit einem Geschäftsordnungstrick einen AfD-Alterspräsidenten verhindert. Über das Parteienfinanzierungsgesetz sei zudem versucht worden, eine Wahlkampfkostenerstattung an die AfD auszuschließen. Bei der Landtagswahl in NRW sei Wahlbetrug betrieben worden, indem AfD-Stimmen fälschlicherweise für ungültig erklärt wurden, was für Plorin einer „Abschaffung der Demokratie“ gleichkommt. Und schließlich kritisiert der 67-Jährige das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, auch „Facebook-Gesetz“ genannt, ein umstrittenes Gesetz gegen Hass und Verleumdung in den sozialen Netzwerken; dies sei laut Plorin „ausschließlich gegen die AfD gerichtet“.

Für Plorin und seine Mitstreiter beginnt nun die heiße Phase des Wahlkampfes. Für den 8. September ist eine große Veranstaltung geplant, zu der Partei­größen wie der Berliner AfD-Funktionär Nicolaus Fest, Vizevorsitzende Beatrix von Storch, Landeschef Leif-Erik Holm aus Mecklenburg-Vorpommern und NRW-Spitzenkandidat Martin Renner eingeladen sind. Doch glaubt Plorin tatsächlich, dass er es in den Bundestag schafft? „Es ist zwar möglich, aber nicht wahrscheinlich“, sagt er. Falls es klappt, will er in jedem Fall für vier Jahre nach Berlin ziehen. Es wäre eine „große Herausforderung“, und „es hätte definitiv Opfercharakter für mich“.