Kunststiftung NRW verleiht den Straelener Übersetzerpreis 2017 im Europäischen Übersetzer-Kollegium

STRAELEN. „Diese Feierstunde war so schön, dass ich mich ständig kneifen muss, um mich zu vergewissern, dass ich nicht träume“, strahlte Claus Sprick­, Präsident des Europäischen Übersetzer-Kollegiums (EÜK), am Ende des knapp zweistündigen Programms zur Verleihung des Straelener Übersetzerpreises 2017 der Kunststiftung NRW. Die geladenen Gäste und nicht zuletzt die Preisträger, die einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hatten, teilten seine Begeisterung. Ausgezeichnet mit dem Übersetzerpreis 2017 wurden Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel, den Förderpreis erhielt Thomas Weiler.

Dr. Fritz Behrens übergab den Straelener Übersetzerpreis 2017 an Frank Heibert (l.) und Hinrich Schmidt-Henkel (r.) sowie den Förderpreis an Thomas Weiler (2.v.l.). NN-Fotos: Nina Meyer
Dr. Fritz Behrens übergab den Straelener Übersetzerpreis 2017 an Frank Heibert (l.) und Hinrich Schmidt-Henkel (r.) sowie den Förderpreis an Thomas Weiler (2.v.l.).
NN-Fotos: Nina Meyer

Seit 2001 verleiht die Kunststiftung NRW den mit 25.000 Euro dotierten Übersetzerpreis in Kooperation mit dem EÜK in Straelen. „Zählt man den Förderpreis dazu, sind es 23 Übersetzer, die inzwischen mit diesem Preis ausgezeichnet worden sind“, erklärte Claus Sprick in seiner Begrüßung. „Sie alle stehen als Vorbilder für unsere Zunft.“ Die 22 Bücher, die mit dem Straelener Preis gewürdigt wurden, sollten alle einen besonderen Platz im Regal eines jeden Literaturbegeisterten haben.
Die in Berlin lebenden Literaturübersetzer Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel erhielten den Preis für ihre Neu­übersetzung von Raymond Queneaus „Stilübungen“. Eine banale Rempelei in einem vollen Pariser Bus wird darin hundertfach variiert. „Die Übersetzer schreiben diese kleine Szene mal als Traum, mal als ordinäres Geschimpfe, mal als Behördenbrief; sie spielen so präzise wie übermütig mit den Formen des Sprechens und Erzählens und feiern damit den großen Reichtum unserer Sprache“, so die Jury. „Mit ihrer Begeisterung regen sie die Leser dazu an, die Welt immer wieder neu in Sprache zu gestalten.“ „Die Fähigkeit, mit Sprache umzugehen, war hier gefragt“, ergänzen Kristof Magnusson und Ulrich Blumenbach als Mitglieder der Jury in ihrer Rede. „Was sie hier geleistet haben, ist großartig.“ Begeistert zeigten sie sich ebenfalls von Thomas Weilers Übersetzung von „Paranoia“, einem Werk des weißrussischen Autors Viktor Martinowitsch, das Liebesgeschichte und anti­utopischen Diktaturroman verbindet.  „Thomas Weiler schöpft aus dem Vollen seiner Muttersprache; die verschiedensten Stilregister sind bei ihm voller Saft und Kraft. Wir erwarten gespannt seine nächsten Übersetzungen“, so die Juroren, die Weilers Übersetzung mit dem mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis würdigten.

Rebekka Kricheldorf, Dramaturgin und Übersetzerin, hielt die Laudatio auf die drei Preisträger.
Rebekka Kricheldorf, Dramaturgin und Übersetzerin, hielt die Laudatio auf die drei Preisträger.

Dr. Fritz Behrens, Präsident der Kunststiftung NRW, freute sich, den Preis übergeben zu dürfen, „an zwei Hauptpreisträger, die zu den bekanntesten ihres Genres zählen“. „Jetzt haben sie zum ersten Mal zusammen übersetzt und werden für ihr Kabinettstück sogleich mit dem Übersetzerpreis ausgezeichnet“, so Behrens. Sie seien aber nicht nur hervorragende Übersetzer, sondern setzten sich auch stark für die Interessen ihres Berufsstandes ein – „allein für diese Arbeit hätten sie schon einen Preis verdient“, betonte der Präsident. Nicht ohne Grund sind Heibert und Schmidt-Henkel, die sich vor 22 Jahren bei einem Aufenthalt im EÜK in Straelen kennenlernten, als „Power-Duo der Übersetzungskunst“ bekannt. Zur Preisverleihung boten sie den Gästen eine anschauliche und unterhaltsame Präsentation ihrer Arbeit mit wunderbaren Kostproben aus den „Stilübungen“­. Lange galt das Werk als unübersetzbar; „eines können wir bestätigen: Es ist keine leichte Aufgabe, andererseits können wir bestätigen: Es ist eine herrliche Aufgabe!“, erklärten die Preisträger im EÜK. Mit ihrer brillanten Übersetzung von „Stilübungen“ hätten sie dem Leser „ein Spaß- und Lehrbuch geschenkt, das wild verspielt und doch tief ernsthaft ist und dabei wunderbar zu Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel passt“, zeigte sich auch Laudatorin Rebekka Kricheldorf begeistert. „Gepaart mit ihrem Showtalent sind sie wahre Botschafter der literarischen Übersetzung.“