Befragung zeigt: Eltern wünschen Inklusionsbüros

Befragung zeigt: Eltern wünschen Inklusionsbüros

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Caritas und Hochschule Rhein-Waal stellen Ergebnisse am Mittwoch, 21. Juni, in Geldern vor

Die Ergebnisse der Elternbefragung zum Thema Inklusion stellten die Caritas-Mitarbeiter Ernst Heien und Adele Hoff (Mitte) gemeinsam mit Professor Helmut Prior (rechts) und Ergotherapeut Jan van de Stay (links) vor. Foto: Tobias Kleinebrahm

GELDERLAND. Das Thema Inklusion bewegt nach wie vor die Gemüter vieler Eltern, Pädagogen und auch Politiker. Eine Umfrage des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer und der Hochschule Rhein-Waal unter 500 Eltern von Schul- und Kindergartenkindern im südlichen Kreis Kleve zeigt nun, dass es einen großen Bedarf an professioneller und einrichtungsunabhängiger Beratung gibt. Erste Ideen dazu gibt es auch bereits.

Es sind immer wieder Fälle wie dieser, die buchstäblich sprachlos machen: Einer Drittklässlerin aus unserer Region mit diagnostiziertem Sprachförderbedarf war vor der Einschulung zugesichert worden, dass sie auch der Regelschule die nötige Sprachförderung bekommen könne. Bis heute hat sie jedoch keine einzige Stunde Logopädie bekommen, weil die Schule nicht die erforderlichen Rahmenbedingungen stellen kann. „Die Kinder baden es am Ende aus“, beklagt Ernst Heien, der gemeinsam mit Adele Hoff und Ina Martens für die Caritas am Projekt „Inklusionsförderung“ mitarbeitet. Das Problem: In den befragten Einrichtungen hat jedes zehnte Kind einen anerkannten Förderbedarf beziehungsweise eine anerkannte Behinderung. Nach Einschätzung der Pädagogen liegt die „Dunkelziffer“ jedoch viel höher. Demnach bräuchten eigentlich doppelt so viele Kinder spezielle Förderung. Aber nur bei der Hälfte von ihnen gibt es überhaupt eine entsprechende Diagnose. Hinzu kommt: „Jeder muss sich alleine durch den Dschungel der Inklusion kämpfen und seine eigenen Erfahrungen mit Ämtern, Ärzten und Anträgen machen“, ergänzt Adele Hoff.

Insofern sind die Ergebnisse der Befragung, an der auch Therapeuten und Kinderärzte mitgewirkt haben, durchaus nachvollziehbar. Helmut Prior, Professor für Kindheitspädagogik und Prävention an der Hochschule

Rhein-Waal, erklärt: „Die Ergebnisse ergeben ein klares Bild davon, was Eltern benötigen. Neben dem Wunsch nach Therapiemöglichkeiten gibt es vor allem eine hohe Nachfrage nach kompetenter Beratung und nach webbasierten Informationsangeboten.“ Auch Jan van de Stay, Ergotherapeut aus Straelen, kann aus seiner beruflichen Praxis dieses Informationsbedürfnis der Eltern nachvollziehen. „Die Eltern bekommen Infos vom Logopäden, vom Physiotherapeuten, von der Schule und vielen mehr, aber es braucht eine Stelle, an der alles zusammenläuft und koordiniert wird. Genau danach fragen viele Eltern.“ Genau hier setzt eine neue Idee an: „Unser Wunsch wäre, Inklusionsbüros in Geldern, Kevelaer und Straelen einzurichten für alle Fragen rund um das Thema Inklusion“, sagt Adele Hoff. Dort hätten Eltern und auch selbst Betroffene erstmals die Möglichkeit, sich umfassend und einrichtungsunabhängig beraten zu lassen. Gleichzeitig könnten sich Eltern über diese Inklusionsbüros vernetzen und von den Erfahrungen anderer profitieren.

In den vergangenen drei Jahren wurde im Projekt „Inklusionsförderung“ bereits viel auf den Weg gebracht, doch mit Hilfe solcher Inklusionsbüros sei es erstmals möglich, sich nicht nur mit anderen Institutionen oder einzelnen Engagierten zu vernetzen, sondern ganz direkt und in großer Zahl die betroffenen Eltern selbst zu erreichen, damit sich in Zukunft nicht mehr jeder allein durch den Inklusions-Dschungel kämpfen muss und alle Kinder möglichst schnell die Förderung bekommen, die sie brauchen.

Für alle Interessierten werden die detaillierten Ergebnisse der Befragung am Mittwoch, 21. Juni, um 19.30 Uhr im Caritas-Centrum Geldern (Südwall 52) präsentiert. Jeder ist herzlich dazu eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten per Mail an hoff@caritas-geldern.de oder telefonisch unter 02834/915187.