In Sonsbeck ermöglichen speziell ausgebildete Trainer allen Menschen mit Handicap regelmäßiges Training und die Prüfungen

SONSBECK. Für viele Menschen ist es ganz normal, sich Jahr für Jahr der Herausforderung zu stellen, das Sportabzeichen abzulegen.  Manche müssen dafür trainieren, andere schaffen die geforderten Normen auf Anhieb. Eins ist ihnen aber allen gemeinsam:  wenn ihnen dann am Ende zum ersten oder auch zum wiederholten Male das Abzeichen verliehen wird, sind sie stolz auf ihre erbrachte Leistung.

Werner Köhlitz, Klaus Geisdorf und Nobert Wellmanns (v.l.) sind drei der Trainer beim SV Sonsbeck , die eine Prüflizenz für Menschen mit Behinderung erworben haben. NN-Foto: Theo Leie
Werner Köhlitz, Klaus Geisdorf und Nobert Wellmanns (v.l.) sind drei der Trainer beim SV Sonsbeck , die eine Prüflizenz für Menschen mit Behinderung erworben haben. NN-Foto: Theo Leie

Doch nicht alle konnten bisher diese Freude über die eigene Leistung empfinden. Zu ihnen gehört die zehnjährige Leni aus Sonsbeck. Dabei ist sie ein durchaus sportliches Kind, aber wenn ihre Mitschüler vom Sportabzeichen, vom Training und von der Verleihung erzählten, stand Leni daneben und konnte nicht mitreden. Der Grund: Leni ist blind.
Und sie ist nicht die Einzige, der es in der Vergangenheit nicht möglich war, das Sportabzeichen beim SV Sonsbeck abzulegen. Auch andere Menschen mit Handicap hatten dazu keine Gelegenheit. Diese Tatsache beschäftigte auch Klaus Geisdorf, den Sportabzeichenbeauftragten des SV Sonsbeck. Er und viele seiner Mitstreiter aus dem Sportabzeichenteam hatten schon bei mehreren Gelegenheiten erfahren, wie begeistert Menschen mit Handicap sportliche Betätigungen nutzen, wenn sie ihnen angeboten werden. Und so beschlossen Geisdorf und seine Kollegen, den nächsten Sportabzeichentag verstärkt dem Thema Inklusion zu widmen. „Es gibt einen Extrakatalog, in dem genau  je nach Grad und Art der Behinderung aufgelistet ist, welche Prüfungen abgelegt werden müssen. Viele der einzelnen Disziplinen können auch gemeinsam von Menschen mit und  ohne Behinderung ausgeübt werden.“
Im vorigen Jahr erwarb Leni dann zum ersten Mal ihr Sportabzeichen. „Ich wollte alle Sportarten machen, die Punktzahl war mir egal“ erzählt sie. Und so stellte sie ihr Können unter anderem beim Standweitsprung, beim Zielwerfen und auch beim 50-Meter-Lauf, den sie an der Hand eines Guides absolvierte, unter Beweis – und will es natürlich in diesem Jahr wiederholen.
Inzwischen haben sieben Prüfer die Prüflizenz für Menschen mit Behinderung erworben. Sie stehen nicht nur beim Tag des Sportabzeichens, den der SV Sonsbeck auch in diesem Jahr wieder durchführen wird, bereit. Mittwochs von 18 bis 19 Uhr kann immer auf dem Sportplatz trainiert werden. „Hier können alle zum Üben kommen, egal ob mit Handicap oder ohne“ lädt Klaus Geisdorf ein. „Allerdings sollten sich Rollstuhlfahrer vorher anmelden, denn dafür müssen wir die Übungsmöglichkeiten aufbauen, das ist ein bisschen aufwändig, aber kein Problem, wenn wir wissen, dass jemand kommt und sie nutzt.“
Geisdorf und seine Mitstreiter hoffen, dass demnächst ver­stärkt Menschen mit Handicap von dem Angebot Gebrauch machen. „Uns schwebt vor, dass wir zukünftig für jeden Menschen mit Behinderung einen Guide haben, so dass sie dann regelmäßig trainieren und beim Sportabzeichentag alle Stationen absolvieren können – im Idealfall gemeinsam mit allen Prüflingen.“
Der Sportabzeichentag ist in Sonsbeck eine äußerst beliebte Veranstaltung. Regelmäßig waren über 100 aktive Teilnehmer, knapp 40 Helfer und viele Gäste dabei. Auch für die Kleinsten wurde mit Hüpfburg und Mini­sportabzeichen in den letzten drei Jahren ein Programm geboten. Auch in diesem Jahr findet der Tag statt, Termin ist der 1. Juli. „Für nächstes Jahr, wenn der SV Sonsbeck 100 wird, haben wir Großes vor“ verrät Geisdorf. Wir würden gerne einen Stop der Sportabzeichen-Tour nach Sonsbeck holen und wir hoffen, dass wir bis dahin noch mehr Materialien kaufen und viele Menschen mit Behinderung dazu motivieren können, so wie Leni das Sportabzeichen abzulegen.“