ALPEN. Die Ehrenamtler, die sich in der Flüchtlingshilfe Alpen engagierten, merkten schnell, dass es mit Willkommensgesten und Unterbringung der geflüchteten Menschen alleine nicht getan war. Sie machten sich Gedanken, wie ein „Weg des Entgegenkommens“ geschaffen werden kann.

Strahlende Gesichter bei der Zertifikatsübergabe durch Jens Korfkamp, Letier der der VHS und Bürgermeister Thomas Ahls. Foto: Judy Bailey
Strahlende Gesichter bei der Zertifikatsübergabe durch Jens Korfkamp, Letier der der VHS und Bürgermeister Thomas Ahls.
Foto: Judy Bailey

Natürlich ist die Sprachvermittlung Grundvoraussetzung zur Integration. Doch genauso wichtig ist das Verstehen der deutschen Kultur und Gepflogenheiten. Dazu traf sich an einem Mai-Wochenende eine Gruppe mit gut 20 Flüchtlingen, Flüchtlingshelfern und Dozenten zum „Bürgerschein“.  In diesem Kurs, der in Deutsch durchgeführt wurde,  ging es vor allem um Denken und Fühlen, Leben und Interaktion, Nachbarschaft und Grundgesetz.
Unterstützung erhielt die Flüchtlingshilfe Alpen vom Rhein-Ruhr-Instituts für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Universität Duisburg-Essen und der regionalen Volkshochschule (VHS). Dreißig Stunden verbrachten Kursteilnehmer Teilnehmern aus vier Kontinenten zusammen. Das Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend förderte das, lokal über ein Jahr entwickelte Pilotprojekt.
Nach dem Kennenlernen im  Amaliencafé gins‘s in den Wald  – ein symbolträchtiger Ort, wo man „Wurzeln schlagen“ kann.  „Ich bin ein kleiner Baum“, so eine Stimme eines syrischen Flüchtlings, „aber ich werde ein blühender Baum und will meine Blüten verschenken!“ Ein anderer erklärte: „Ich bin im Moment ein biss­chen traurig, weil ich keine Familie habe. Aber ich bin nicht gefallen, ich habe Hoffnung.“ – Manchmal fängt neues Verwurzeln zaghaft an…
In weiteren Themen ging es um das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, ebenso um Wünsche,  die das eine an das andere Geschlecht hat und was Gleichberechtigung in Deutschland bedeutet. Es wurde gelacht, aber es wurde auch offen und ernsthaft über das gesprochen, was ein gutes Zusammenleben in Freiheit ermöglicht.
Die geschichtlichen Wurzeln lernte die Gruppe vor dem Schild der ehemaligen Synagoge Alpens und auf dem jüdischen Friedhof kennen. „Freiheit des Glaubens“ stand im Mittelpunkt eines Dialogs mit Pfarrer Dr. Becksin der Evangelischen Kirche. Um den Altartisch und die 400 Jahre alte Bibel, auch für Muslime ein heiliges Buch wie ein Flüchtling aus Afghanistan betonte, kam es zu einem offenen Austausch. Judy Bailey sorgte mit einigen Liedern für die eine besondere Atmosphäre des eindrücklichen Morgens in den alten Gemäuern.
Das Besondere des Kurses ist der offene Austausch und dadurch Bewegung in Gedanken, Einstellungen und ins Leben aller Teilnehmer zu bringen.
Nach einem ausführlichen Gespräch zu Nachbarschaft, Mülltrennung und Ruhezeite folgte das absolute Highlight: Ein Abendessen, zu dem Nachbarn eingeladen hatten.
Am letzten Tag kamen noch einmal zwei große Themen auf den Tisch: Ausbildung und Arbeit und Demokratie und Grundgesetz. Monika Krause, pensionierter Lehrerin und Mitglied der Flüchtlingshilfe, die den Morgen  organisiert hat und von einer Berufsberaterin unterstützt wurde, war sehr angetan: „Die Offenheit und Neugierde der Flüchtlinge war sehr positiv. Auch wie sie die Gruppenarbeit angegangen sind und die Ergebnisse vorgestellt haben hat mit gut gefallen.“
Spannende Dialoge entwickelten sich, als Peter Krumpholz vom RISP eine Befragung zur Wertvorstellungen durchführte und das Grundgesetz erläuterte.
Abschließend erhielten die Flüchtlinge im Rathaus ihre Zertifikate von Bürgermeister Thomas Ahls und Jens Korfkamp, Leiter der VHS.