Michael Ermers von der Polizei im Kreis Kleve über „Gaunerzinken“

NIEDERRHEIN. (nm) In den letzten Jahren rückte der Begriff „Gaunerzinken“ wieder mehr in die Öffentlichkeit. Mit einfachen grafischen Zeichen – gezackte Linie, Kreuze, Kreise und mehr – kennzeichnen Einbrecher vermeindlich Häuser, um „Kollegen“ mitzuteilen, ob es hier etwas zu holen gibt, ein bissiger Hund im Haus ist oder der Bewohner die Polizei ruft. Michael Ermers, Pressesprecher der Polizei im Kreis Kleve, weiß: „Es gab auch im Kreis Kleve solche Zeichen, sie kommen aber eher selten vor.“

Als Gaunerzinken sind die Symbole bekannt, die beispielsweise mit Kreide vor einem Haus auf die Straße gemalt werden. „Bissiger Hund“ heißt die gezackte Linie. NN-Foto: Gerhard Seybert
Als Gaunerzinken sind die Symbole bekannt, die beispielsweise mit Kreide vor einem Haus auf die Straße gemalt werden. „Bissiger Hund“ heißt die gezackte Linie.
NN-Foto: Gerhard Seybert

Die Ursprünge der „Gaunerzinken“ liegen viele hundert Jahre in der Vergangenheit. Damals waren es vermutlich Bettler, die mit der codierten Sprache Hinweise hinterließen, wie man sich verhalten müsse, um eine Gabe zu bekommen. So finden sich unter den Symbolen beispielsweise auch Zeichen, die besagen „Fromm stellen hilft.“ oder „Es gibt etwas gegen Arbeit.“ Eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe der Universität Passau, die zu den historischen Einsatzgebieten und der Bedeutung von Zinken forschte, erklärt dazu: „Zinken sind einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zuzuordnen, die aufgrund sozialer Bedingungen ständig mit Repressionen rechnen musste.“ Auch Bettler, Hausierer und Tagelöhner nutzten damals Zinken, um nachfolgenden Standesgenossen Hinweise zu hinterlassen, wo sich ein Vorsprechen wohl am ehesten lohnen würde. Michael Ermers: „Die Zeichen wurden dann später wohl auch von Einbrechern übernommen. Aber heute orientieren sich die Täter eher an anderen Informationen. Sie schauen eher, ob jemand zuhause ist, ob Licht brennt und so weiter.“ Genutzt werden die Symbole fast nur noch von organisierten Banden. Ein Auskundschafter beobachtet, ob es in einem Gebäude etwas zu holen gibt und ob beispielsweise ältere Menschen oder alleinstehende Frauen im Haus leben. Die gesammelten Informationen werden dann mit Hilfe der Gaunerzeichen an die nachfolgenden Komplizen übermittelt, während die Kundschafter längst weitergezogen sind. Grundsätzlich rät Ermers: „Wenn man ein unbekanntes Zeichen an der Hauswand oder auf der Straße davor findet, sollte man erst mal unterscheiden, ob es eine Krakelei von Kindern oder tatsächlich ein Gaunerzinken ist. Bei der Vermutung sollte man die Polizei informieren.“ Für einen effektiven Einbruchschutz kennt Michael Ermers eine Faustregel: „Ein Haus sollte immer den Eindruck erwecken, dass jemand zuhause ist.“ Bewegungsmelder sind eine sinnvolle Einrichtung oder Zeitschaltuhren für Lampen. „Alles, was darauf schließen lässt, dass das haus bewohnt ist“, hebt Ermers noch mal hervor. Dazu zählt er ebenso Nachbarschaftsdienste während der Urlaubszeit wie Briefkasten leeren, Rollläden öffnen und schließen und auch mal ein Paar Schuhe vor die Türe stellen.

Polizei berät zum Einbruchschutz

Zudem bietet die Polizei im Kreis Kleve regelmäßig Beratungstermine in den örtlichen Kriminalkommissariaten zum Thema Einbruchschutz an. Im wöchentlichen Wechsel stehen in die Kollegen in Geldern, Goch, Kleve und Emmerich für Infos zur Verfügung. Unter dem Titel „Riegel vor! Sicher ist sicherer“ teilt die Behörde die regelmäßigen Beratungstermine zum Einbruchsschutz im Presseportal der Polizei unter www.presseportal.de/blaulicht/nr/65849 mit. Die nächsten Termine sind dienstags, am 4. Oktober um 14 Uhr im Kriminalkommissariat Kleve, Kanalstraße 5-7, 11. Oktober um 14 Uhr im Kriminalkommissariat Emmerich, Geistmarkt 21, und am 18. Oktober um 14 Uhr im Kriminalkommissariat Goch, Feldstraße 37.

 

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