Ein integratives Tanzprojekt bringt junge Flüchtlinge mit Klever Jugendlichen zusammen

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KLEVE. „Wir bringen den Tanz in die Stadt“ war Motto des integrativen Tanzprojekts, das fünf Tage lang junge Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammengeführt hat. Der von der Rheinischen Arbeitsgemeinschaft Tanz in Kooperation mit der Volkshochschule Kleve und der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit NRW angebotene Workshop wurde von den beiden Klever Tanzpädagoginnen Ella Lichtenberger und Elke Welz-Janßen geleitet. Gestern Abend gab es eine öffentliche Aufführung – mit etwas Glück ist man der bunten Truppe aber schon vorher in der Stadt begegnet.

„Die Idee war, sich Raum zu nehmen“, erklärt Ella Lichtenberger, während sich ihre Kollegin Elke Welz-Janssen noch einmal die Choreografie für den Flashmob vornimmt und an der Synchronität desselben feilt. An Tag 2 will es noch nicht ganz rund laufen – dafür sind aber alle mit Begeisterung und sehr diszipliniert bei der Sache. „Es macht ungeheuer viel Spaß, mit dieser Gruppe zu arbeiten“, lobt Lichtenberger. 25 Jugendliche und junge Erwachsene, 15 von ihnen aus Ländern wie Syrien, dem Irak, Bangladesch oder Afghanistan. „Das Projekt soll dabei helfen, Vorurteile abzubauen und Kontakte zu knüpfen“, sagt die Tanzpädagogin. Sie freut sich, dass das Interesse an den Mittänzern groß ist und in den Pausen ein reger Austausch stattfindet. „Man spricht viel miteinander“, pflichtet Elske ihrer Tanzlehrerin bei. Die 17-Jährige gehört zu den wenigen Mädchen, die bei dem Projekt mitmachen. Denn tatsächlich sind es vor allen Dingen junge Männer aus dem Ausland, die fleißig mitmischen. „Es gab hier keinen einzigen Moment, in dem man sich als Mädchen hätte unwohl fühlen müssen“, räumt Elske gleich mit dem gängigsten Vorurteil auf. Im Gegenteil: „Die sind alle supernett und höflich“, sagt sie und würde sofort wieder mitmachen. „Letztlich ist das Tanzen fast nebensächlich“, sagt Elske. Sie hat schon einige Lebensgeschichten der jungen Flüchtlinge gehört. „Das ist für uns hier in Deutschland eigentlich unvorstellbar“, sagt sie. Begeistert ist sie vom „arabischen Hüftschwung“ und davon, dass die jungen Männer keine Angst vor dem Tanzen haben. „Das ist wohl Teil ihrer Kultur – Tanz hat in ihren Heimatländern einen ganz anderen Stellenwert“, erklärt Lichtenberger, die selbst ganz überrascht ist. Während sich deutsche Jungs in dem Alter nur wiederwillig dazu überreden ließen, sind die jungen Ausländer gar nicht zu bremsen. „Da stellt man sich in der Pause auch mal klatschend in einen Kreis und sieht denen staunend beim Solotanz zu“, sagt Lichtenberger.
„Bei uns zuhause ist das ganz normal“, sagt Mohammad. Der 16-jährige Syrer wurde von seinen Eltern weggeschickt, damit er in Sicherheit ist. Zu Fuß, mit dem Zug, im Transportbus und per Taxi ist er vor sechs Monaten nach Deutschland gekommen. Jetzt lebt er im SOS Kinderdorf und nutzt jede Gelegenheit, Kontakt zu deutschen Jugendlichen zu knüpfen und die Sprache zu lernen. „Das Tanzen macht mir Spaß“, erklärt Mohammad, der auch beim Workshop der Young Americans mitgemacht hat. Und es lenkt ab. „Ich bin oft traurig“, gibt er zu, dass er seine Familie und seine Eltern vermisst. In der Gruppe fühlt er sich wohl. Die lockere Atmosphäre und der kameradschaftliche Umgang gefallen ihm gut.

Ein Höhepunkt des vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW geförderten Tanzprojekts war der Flashmob am Donnerstagmittag in der Fußgängerzone. Spannend dürfte auch der Videodreh gewesen sein. Lichtenberger: „Wir haben uns verschiedene „Räume“ in der Stadt gesucht, die zu unserem Tanzraum wurden.“ So tanzte man im Schatten der Schwanenburg, auf der Rolltreppe in der Neuen Mitte und überall dort, wo man „sichtbar werden“ wollte. Ein tolles Projekt, das Mut macht.

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