Kaplan Christian Olding predigt am Sonntag erstmals im Gelderner Kino

GELDERN. Seine Gottesdienste sind Publikumsmagnete, „Blockbuster“ nennt man das im Kino-Jargon. Diese beiden Welten verbindet Christian Olding, Kaplan in der Katholischen Kirchengemeinde St. Maria Magdalena Geldern, miteinander. Seit Dezember 2014 beschreitet er hier mit seinem Projekt „V – the Experience“ neue Wege der Glaubenserfahrung. Dazu gehören die „V-Gottesdienste“, für die der leidenschaftliche Cineast ganz tief in die Hollywood-Trickkiste greift. Und seine filmisch aufbereiteten Messen, mit denen Olding bereits im Klever Nordkreis neue Maßstäbe gesetzt hat, kommen gut an. Zum ersten Mal findet ein Gottesdienst nun im Gelderner Kino statt.

An seinem Arbeitsplatz im Gelderner Pfarrhaus lässt Christian Olding die Bilderwelten für seine V-Gottesdienste entstehen. NN-Foto: Nina Meyer
An seinem Arbeitsplatz im Gelderner Pfarrhaus lässt Christian Olding die Bilderwelten für seine V-Gottesdienste entstehen.
NN-Foto: Nina Meyer

Am Sonntag, 12. Juni, um 12 Uhr, geht es um „The Evil within“ – also das Böse in uns. Dieser „V-Gottesdienst“ ist Teil der Veranstaltungsreihe „Die Macht der Sünde – oder der zerbrechliche Mensch“. Im Mittelpunkt der Serie, die vier Glaubensabende und den morgigen Gottesdienst umfasst, steht „die alltägliche Beziehung  zu Gott, wodurch sie gefährdet wird und wie man lernt bewusster zu  leben“. Christian Olding: „Ich frage, wie wir mit dem Bösen in uns umgehen und mit dem Bösen, das ich andernorts erlebe.“ Diese Frage hat der gebürtige Nieder­sachse in eine große Video­animation gepackt, die den kompletten Gottesdienst begleitet. Denn, so Olding: „Ziel dieser Aufbereitung ist es, Emotionen zu wecken. Ich möchte dafür alle Sinne ansprechen, das ist die große Chance dieses Formats.“ Damit provoziere er auch.
An seiner alten Wirkungsstätte in Emmerich wurden die sogenannten  „veni-Gottesdienste“ auch kontrovers diskutiert. Kritikern, die das Kinofeeling unangemessen finden, hält er entgegen: „Jesus hat seine Botschaften in Bildergeschichten vermittelt. Was damals die Geschichten vom Hirten oder Festmahl waren, könnten heute Serien bei Netflix sein. Ich transportiere seine Bildergeschichten eigentlich nur in neue Medien.“ Zudem seien die „V-Gottesdienste“, wie sie in Geldern nun heißen, konservativer als man denkt. Olding: „Bei uns kommt keiner raus, ohne mit fünf Bibeltexten konfrontiert worden zu sein. Ich finde das grundsolide. Unsere Gottesdienste bestehen immer aus Film, Bibel und Predigt.“
Das Ganze wird aufbereitet wie ein Kinofilm, mit Vorspann und Trailer, Gänsehaut und gewaltigen Bilderwelten. Das alles macht der Kirchenmann selbst, animiert, schneidet und stellt die Filmausschnitte zusammen. „Die Leinwand ist dabei nur Hilfsmittel. Gepredigt wird von einem Menschen. Die Show hilft dabei, den Inhalt zu transportieren“, erläutert Olding. So düster wie im aktuellen Gottesdienst sei es aber nicht immer. Alle zwei Monate bieten Christian Olding und seine Mitstreiter – ein zehnköpfiges Team zwischen 16 Jahren und 30 plus – die „V-Gottesdienste“ üblicherweise in der Veerter Kirche an. „Generationsübergreifend“, wie er betont. Angesprochen seien alle, „die ihren Glauben neu entdecken wollen“. Denn die große Frage, die Olding bei aller Kinoliebhaberei umtreibt, ist durchaus theologisch und sehr aktuell: „Wie wird Glaube wieder alltäglich?“ Dafür hat er nun zum zweiten Mal die Veranstaltungsreihe „Woran wir glauben“ gestartet. Diesmal mit dem Themenschwerpunkt rund um Sünde und Buße. In der zweiten Jahreshälfte sollen weitere Serien und „V-Gottesdienste“ folgen. Für die Vorweihnachtszeit plant Christian Olding ein weiteres Kino-Event: Bei den „Film-Exerzitien“ wird eine Woche lang jeden Abend ein Film geschaut und besprochen. Weitere Infos gibt es auch auf der Facebook-Seite von „V – the Experience“.