Hightech im Jugendstil-Haus
KREIS KLEVE . Im Herbst dieses Jahres wird der Rheinische Preis für Denkmalpflege verliehen, mit dem das Land NRW das bürgerschaftliche Engagement zum Erhalt privater Denkmäler würdigt. Aus nahezu allen Städten und Kreisen des Rheinlandes haben sich Denkmaleigentümer um den erstmals öffentlich finanzierten Preis beworben. Beim LVR-Amt für Denkmalpflege sind 68 Bewerbungen eingegangen, darunter sechs aus dem Kreis Kleve.
Im Wettbewerb um den mit 7.000 Euro dotierten Preis stehen ein Jugendstil-Pavillon in Geldern, die Gesindesiedlung des Schlosses Wissen einschließlich historischer Getreidemühle in Weeze, eine Holländer-Mühle in Sevelen, das alte Pastorat in Veert sowie ein Haus in Rheurdt und das Haus von Lutz Kühnen in Kalkar.
„Der vom Land NRW gestiftete Preis macht den Menschen deutlich, dass Denkmalpflege keine Privatsache, sondern eine wichtige Aufgabe von öffentlichem Interesse ist“, so Landeskonservator Professor Dr. Udo Mainzer, Landschaftsverband Rheinland (LVR), als Mitglied des Auswahlkomitees. Darum verdiene ein gutes Beispiel im Umgang mit Denkmälern besondere Anerkennung.
„Die Streuung der im Wettbewerb stehenden Denkmäler ist ein Zeichen dafür, dass der Rheinische Preis für Denkmalpflege nicht nur einen Wettbewerb unter den Denkmaleigentümern, sondern auch unter den Städten und Kreisen ausgelöst hat“, so Professor Mainzer. Mit seinem zwischen 1880 und 1905 erbauten jugendstilistischen Haus an der Monrestraße in Kalkars historischem Stadtkern macht sich Lutz Kühnen Hoffnungen auf den Preis.
Von November 2004 bis Juli 2010 hat der Kalkarer das Gebäude aufwändig saniert. Das verklinkerte Haus steht in einer typischen Reihenbebauung und unter Denkmalschutz. Die nicht mehr zu rettenden Gebäudeteile wurden manuell zurückgebaut (232 Tonnen Schutt) um Platz für einen Hallenanbau, Garage und Garten zu schaffen. Das Sanierungsvorhaben stand unter dem Titel „Hightech im Jugendstil“. Dabei wurde vor allem auf den detailgetreuen Einsatz von originalen Baustoffen und -teilen großer Wert gelegt. Während der Arbeiten entdeckte der Bauherr aber auch einige Überraschungen. So fanden sich eine historische Feuerstelle, ein gemauerter unterirdischer Brunnen und eine dreischichtige Treppe.
Bei Abriss, Umbau, Sanierung, Ersatz und Neubau mussten unter anderem Wände trocken gelegt und die Fassade verfugt werden. Der Dachstuhl wurde ersetzt und fünf Dachgauben wieder hergestellt. Defekte Fliesen tauschte Lutz Kühnen mit selbst geborgenem historischen Material aus. Auch mehr als 7.500 historische Feldbrandsteine fand er für die Reparatur alter Wände. Der originalgetreue Zustand des Hauses wurde wieder hergestellt und dezent mit Hightech ausgestattet.

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