Zuschlagen ist meist ein Zeichen großer Hilflosigkeit

RHEINBERG. „Gewaltfrei leben bedeutet für mich Liebe. Die Kunst, die Liebe in mir zu entdecken ermöglicht mir, sie in allem, was lebt, zu sehen“. Die das sagt ist Barbara Lübbehausen, Künstlerin aus Rheinberg. Ein Porträt von ihr ist im Rahmen der Foto-Ausstellung zum Thema „Gewaltfrei leben“ zu sehen, die noch bis zum 4. August im Rheinberger Stadthaus gezeigt wird.


Vor genau 10 Jahren wurde der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Wesel gegründet. Initiatoren waren die Gleichstellungsstellen Hamminkeln, des Kreises und der Stadt Wesel. Etwa vier mal pro Jahr trifft sich der Runde Tisch seitdem, um mit die Menschen für das Thema zu sensibilisieren und um Betroffenen Hilfestellung zu leisten.
Viele Aktionen wie Aufdrucke auf Brötchentüten, Papiertaschentüchern, Unterstützung von „Terre-des-Femmes“ Aktivitäten, Info-Stände, Organisation von Fachtagungen und anderes wurden in den vergangenen 10 Jahren vom Runden Tisch durchgeführt. „Zum 10-Jährigen wurde ein Jahreskalender erarbeitet, aus dem dann die Fotoausstellung erstanden ist“, erläutert Diana Schrader, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rheinberg. „Wir wollen einen großen Kreis von Menschen erreichen und an die Ächtung häuslicher Gewalt erinnern.“


Für den Kalender wurden zahlreiche Menschen aus dem Kreis Wesel gefragt, was für sie „gewaltfrei leben“ bedeutet. Zu ihnen gehören Künstlerinnen, Ärzte, Anti-Gewalt-Trainer, Polizisten, Mitarbeiterinnen aus Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen und viele andere. Ihre Antworten und ihre Porträtfotos, erstellt durch Karin Koster, wurden auf 24 Kalenderblättern, zwei pro Monat, zusammengestellt. Da der Kalender in limitierter Auflage nicht zu kaufen ist, sondern an Multiplikatoren zu diesem Thema versandt wurde, wollte man die Bilder und Antworten möglichst vielen Menschen zugänglich machen. So enstand die Idee zu einer Wanderausstellung, die nun in allen kreisangehörigen Kommunen gezeigt wird.


Auch Barbara Lübbehusen war von der Gleichstellungsstelle des Kreises Wesel angesprochen worden, ob sie sich porträtieren lassen wolle. „Da ich beruflich als Pädagogin im Drogen- und Suchtbereich aus der Mädchen- und Frauenarbeit komme, habe ich natürlich gerne mitgemacht“, sagt die Bildhauerin. Für sie ist ihre künstlerische Tätigkeit ein gutes Mittel, um Frust abzubauen und Aggressionen loszuwerden. Sie sieht die Ursache in häuslicher Gewalt oft in der Unsicherheit der Männer. „Wenn ich weiß, wer ich bin, brauche ich nicht zuschlagen“ sagt Lübbehusen. Für sie sind Sport oder andere körperliche Aktivitäten ein geeignetes Mittel, um Aggressionen abzubauen.


Das bestätigt auch Diana Schrader: „Viele Schlagende können ihre eigene Hilflosigkeit nicht anders kompensieren und wollen so ihre Macht demonstrieren. Dabei ist Gewalt nicht auf bestimmte soziale Schichten begrenzt, sondern findet sich in allen Teilen der Bevölkerung.“
Mit der Ausstellung sollen deshalb möglichst viele erreicht werden. „Es ist wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, damit die Menschen, egal ob Ärzte, Lehrer, Nachbarn oder Freunde, aufmerksam sind und die Zeichen der häuslichen Gewalt erkennen“, so Schrader. „Denn die Betroffenen geben es ja oft nicht zu, wenn sie unter der Gewalt leiden, obwohl sie eigentlich dringend Hilfe nötig hätten“.


Diese Hilfe bietet auch eine Broschüre des Runden Tischs, die sehr gut angenommen wird und inzwischen schon neu aufgelegt werden musste. Sie vermittelt Hilfesuchenden in verschiedenen Sprachen Anlaufstellen und Möglichkeiten, wo sie Hilfe finden können. Dazu verteilt der Runde Tisch regelmäßig kleine Flyer, die man immer bei sich tragen kann und auf denen entsprechende Adressen notiert sind.

Ingeborg Maas




 
 





Zeitung
 
Briefkasten