„Gegen die braune Gefahr“

GELDERN. Als Salomon Perel wohl als einziger jüdischer Hitlerjunge den Holocaust „unter der Haut des Feindes“ überlebte, war er 16 Jahre alt - etwa so alt wie seine Zuhörer in der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums in Geldern.


Der heute 85-Jährige erzählte den Neunt- und Zehntkläss-lern auf Einladung des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend seine bewegende und außergewöhnliche Lebensgeschichte: Sally Perel war Hitlerjunge Salomon. Das Buch mit seiner Geschichte wurde ein internationaler Bestseller, der Film 1992 für einen Oscar nominiert. Jetzt reist der Israeli, der in Peine zur Welt kam, zweimal im Jahr für mehrere Wochen durch Deutschland. Der Zeitzeuge geht auf Lesereise und er schlüpft immer wieder vor jungen Menschen in die Rolle eines Geschichtslehrers mit einer „Botschaft für die Wahrheit“, gegen das Vergessen und gegen die Dummheit der Neonazis.


„Ich bin einer der Überlebenden der Ermordung von sechs Millionen Juden unter Adolf Hitler. Mein Schicksal ist das einzige dieser Art“, sagte Perel. Vier Jahre lang besuchte er die Hitlerschule in Braunschweig. „Für mich waren es vier Ewigkeiten“, fuhr er fort. Nicht Monstern in Uniform sondern Menschen sei er dort begegnet. „Und das ist das Erstaunliche: dass Menschen zu solchen Verbrechen fähig waren“, gab er zu bedenken. Er selber sollte als Hitlerjunge zum Hass auf alles, was nicht deutsch war, erzogen werden. „Aber wer den Bereich des Hassees betritt, der betritt den Bereich der Irrtümer und Verbrechen“, lautete einer seiner weisen Sätze. Trotzdem gebe es heute so viele Neonazis. „Sie haben diesen Hass übernommen, als hätten sie nichts gelernt“, so Perel. Auch darum erzählt er seine Geschichte immer wieder so offen, manchmal auch verschmitzt, und verschweigt nicht, dass sich bis heute seine Seele in zwei Teile gespalten habe - „ zwischen jüdischem Ursprung und dem Selbsthass unter Einfluss der Erziehung im Geiste der Nationalsozialisten“. Er selber sei so tief beeinflusst worden, dass er sich heute noch mit der Nazidoktrin auseinandersetzen müsse. „Allein in Auschwitz wurde eine Million Kinder vergast und ich schrie ‘Heil Hitler’“, so Perel. „Ich möchte alle Jugendlichen heute mit den Tränen dieser vergasten Kinder impfen gegen die erneute braune Gefahr.“


Nach zwei bewegenden Stunden verabschiedete er sich mit einem Satz aus dem Talmud: „Hast du nur eine Menschenseele gerettet, hast du die ganze Welt gerettet.“ Und mit dem hebräischen Gruß „Schalom“, was „Frieden“ heißt. Nina Meyer




 
 





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