Bedeutender archäologischer Fund mitten in Geldern

GELDERN. Nach dem sensationellen Fund von spätmittelalterlichen Mauerresten am Kleinen Markt in Geldern hat das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege nun beschlossen, die historische Entdeckung zu erhalten. Schon jetzt ist die Baustelle ein echter Publikumsmag­net.

Thomas Vogt vom Bonner Amt für Bodendenkmalpflege hat sein Urteil schnell gefällt: „Super Fund“, sagt er und spricht sich für den Erhalt der Mauerreste aus. Nachdem er sich den Ablauf der Ausgrabungen hat zeigen lassen, plädiert er für einen Stopp der Bauarbeiten aufgrund der Bedeutsamkeit der Funde.


Vogt erläutert: „Wir sehen hier einen ungefähr aus dem 15. Jahrhundert stammenden Keller, der massiv gebaut ist. Er weist architektonische Feinheiten wie Nischen im Gemäuer auf, die so im Raum Geldern bisher nicht entdeckt wurden.“ Die Mauerreste gehörten im Mittelalter zu einem großen Wohnhaus, das in exponierter Lage direkt gegenüber dem damaligen Rathaus und in unmittelbarer Nähe der Stadtwaage stand. Auch Keramik wurde entdeckt, die vermutlich noch älter ist. Schon jetzt sei es der größte zusammenhängende Fund aus dem Mittelalter in Geldern, sagt Vogt. Dass er dort gemacht wurde, liegt an den Arbeiten der Stadtwerke Geldern und des RWE, die an dieser Stelle einen unterirdischen Trafo bauen wollten. Dabei stießen Bauarbeiter nur 50 bis 60 Zentimeter unter der Erdoberfläche auf die historischen Gemäuer.


Im Auftrag der Stadtwerke dokumentierten und fotografierten Archäologen der Firma Archaeologie.de die Fundstelle. Dort kann der Trafo nun nicht mehr gebaut werden. „Dann suchen wir eben einen anderen Standort“, sagt der Leiter der Stadtwerke, Heinz-Josef Freitag. Bürgermeister Ulrich Janssen sieht die Entscheidung des Amtes für Bodendenkmalpflege ebenfalls gelassen, merkt allerdings an, dass der Trafo bis Ende Oktober ans Netz gehen müsse. Stadtarchivar Stefan Frankewitz hat sich deswegen schon mit alten Stadtkarten beschäftigt. Er glaubt, auf dem Kleinen Markt, wo derzeit eine kleine Wiese ist, einen neuen Standort für das Stromhäuschen gefunden zu haben. Um das zu überprüfen, werden Bagger Probeschnitte unter archäologischer Aufsicht machen.


Was nun aber mit den archäologischen Funden geschieht, muss der Kulturausschuss entscheiden. Nach den Vorgaben des Denkmalschutzgesetzes sieht Thomas Vogt zwei Möglichkeiten: So könnten die Mauern nach genauer Erfassung durch die Experten wieder mit Kies zugeschüttet und konserviert werden. Als zweite Variante ist denkbar, die Funde der Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Möglichkeit unterstützt Thomas Vogt. Unklar wäre, ob die Fundstelle freigelegt und umzäunt oder mit einer Glasplatte überdeckt würde. Stefan Frankewitz schlägt vor, erst einmal zu erforschen, wie gut der Zustand der Mauerreste ist.


Auch Ulrich Janssen ist dafür, diesen „einmaligen Fund erlebbar für die Bürger“ zu halten. Er verweist darauf, dass der Fundort abseits der Straße sei, also den Verkehr nicht behindere und so mit „Ruhe“ entschieden werden könne. Allerdings seien die täglichen Kosten von etwa 2.000 Euro für die Stadtwerke und das RWE nicht außer Acht zu lassen.


Für die Gelderner Bürger ist der Kleine Markt schon jetzt ein spannender Treffpunkt geworden. Fast immer stehen einige Interessierte am Bauzaun, um einen Blick auf die Ausgrabungen zu werfen und zu sehen, wie die Archäologen in ihrer Arbeit voranschreiten. Sehr gut erkennbar sind für die Beobachter Nischen im Gemäuer, in denen im Mittelalter Talgkerzen standen.
Anika Hegmans




 





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