LVR-Niederrheinmuseum Wesel zeigt erste Exponate

Früheres Preußen-Museum eröffnet am 18. März mit einer Sonderausstellung

KREIS WESEL. Zweieinhalb Jahre war das ehemalige Preußen-Museum Wesel wegen Umbauarbeiten geschlossen. Am Sonntag, 18. März, wird es unter neuem Namen und mit neuem Konzept wiedereröffnet: Das LVR-Niederrheinmuseum Wesel zeigt dann bis Mitte Oktober die Sonderausstellung „Wesel und die Niederrheinlande. Schätze, die Geschichte(n) erzählen“.

Im neuen LVR-Niederrheinmuseum Wesel stellten Milena Karabaic, LVR-Dezernentin für Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, und Museumsleiter Veit Veltzke unter anderem das Kreuzigungsrelief mit Nonnen aus dem Zisterzienserinnenkloster Graefenthal vor. NN-Foto: Michael Scholten

Das Gros der Vitrinen ist noch leer, viele Leihgaben sind derzeit auf dem Weg nach Wesel oder schlummern noch in Klimakisten. Museumsleiter Veit Veltzke spricht von einer „absoluten Stressphase“ und zählt jede Stunde, die ihm und seinem Team noch bleibt, um die Ausstellung abzuschließen. Zugleich sei es ein „beglückendes Gefühl“, wenn alle Pläne, die vor zwei Jahren nichts als graue Theorie waren, Schritt für Schritt verwirklicht werden.
Milena Karabaic, LVR-Dezernentin für Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, stattete dem Museum, das mit drei Millionen Euro Landesmitteln saniert wurde, einen Besuch ab. Sie sei „entzückt und begeistert“, weil das LVR-Niederrheinmuseum Wesel mit seinem neuen regional-landeskundlichen Ansatz ein rundum „zukunftsfähiges“ Haus geworden sei. Zugleich ist es das jüngste Mitglied in der Familie der 19 Museen und Kultureinrichtungen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR).
350 Exponate, darunter viele Leihgaben und Ankäufe des Museums, sollen ab dem 18. März den kulturellen, sozialen und kaufmännischen Austausch innerhalb der Region „Niederrheinlande“, also Unterer Niederrhein, Niederlande, Flamen und Brabant verdeutlichen. „Die Ausstellung zeigt, wie der Raum die Identität der Menschen und ihre persönlichen Schicksale prägte“, so Milena Karabaic.
Beim Pressetermin stellte Museumsleiter Veit Veltzke eine Auswahl „idealtypischer Exponate“ vor. Darunter eine spätgotische Mutter Gottes, die der westfälische Heinrich Blanckebiel um 1450 aus Baumberger Sandstein schuf. Die Besonderheit dieser Madonna liegt darin, dass Blanckebiel als ehemaliger Stadtbaumeister von Wesel eine vergleichbare Madonna und viele weitere Heiligenfiguren auch für die einstmals flämisch-brabantische Fassade des Weseler Rathauses schuf.

Heinrich Blanckebiel schuf nicht nur diese Madonna, sondern auch die verschollene Rathaus-Madonna von Wesel.
Foto: Klaus Sauerland

Auch der Baumberger Sandstein hat einen starken Bezug zum Niederrhein und zu den Niederlanden. Aus dem Münsterland kommend, wurde er auf der Lippe nach Wesel transportiert und von dort auf dem Rhein nach Köln und in die Niederlande verschifft. „Viele Kirchen, darunter die Stiftskirche in Xanten, wurden überwiegend aus diesem Stein gebaut“, weiß Veit Veltz.
Besonders stolz ist der Museumsleiter auf eine Leihgabe der Gemeinde Asperden: Ein Kreuzigungsrelief aus bemaltem Baumberger Sandstein aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigt neben Jesus Christus und Maria Magdalena auch mehr als 30 sehr detailliert dargestellte Zisterzienserinnen aus dem Kloster Graefenthal.

Aus Bordeaux erwarb das LVR-Niederrheinmuseum Wesel drei Ölgemälde des 17. und 18. Jahrhunderts aus dem früheren Besitz der Familie de Wall. Die Porträts erzählen vom lukrativen Holzgroßhandel niederländischer Zuwanderer, die mit „Weseler Balken“ ein Vermögen machten und später Bürgermeister und Schöffen stellten. Ein Spross dieser Familie, Friedrich Johann Robert de Weiler, stieg gar zum niederländischen Botschafter in Konstantinopel auf. Sein Ölporträt, das Jacques-Francois Delyen zugeschrieben wird, ist ein weiterer Bestandteil der Sonderausstellung.

Friedrich Johann Robert de Weiler aus Wesel stieg zum niederländischen Botschafter in Konstantinopel auf.
Foto: LVR

Ein jüdischer Chanukka-Leuchter schlägt die Brücke ins 20. Jahrhundert. Das neunarmige Kultobjekt gehörte David Weyl, dem letzten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Kleve. Nach der Pogromnacht 1938 hoben niederländische Freunde den Leuchter für Weyl auf, der ihn 1945, nach seinem Leidensweg durch die Konzentrationslager, zurückbekam. Das LVR-Museum Niederrhein Wesel erwarb den Chanukka-Leuchter als Teil der „Judaica-Sammlung Wolfgang Krebs“, aus der Exponate für weitere Ausstellungen genommen werden sollen. Kleve findet in der Sonderausstellung auch durch ein Modell der Schwanenburg statt.
Mit einer endgültigen Dauerausstellung rechnet Museumsleiter Veit Veltz erst für das Jahr 2020 oder 2021. Nach Abschluss der ersten Sonderausstellung „Wesel und die Niederrheinlande. Schätze, die Geschichte(n) erzählen“ soll zunächst eine Auswahl der Leihgaben und Neuerwerbungen zu sehen sein. Weitere Wechselausstellungen sind in Planung.

Museumsleiter Veit Veltzke und Milena Karabaic, LVR-Dezernentin für Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, stellten unter anderem den Chanukka-Leuchter von David Weyl, dem letzten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Kleve, vor.
NN-Foto: Michael Scholten
Detail aus dem Kreuzigungsrelief: Zisterzienserinnen aus dem Kloster Graefrath.
NN-Foto: Scholten