Halt suchen, Hilfe geben

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Hospizgruppe Emmerich spendet Trauerrucksack für die Gesamtschule

Sehen den Trauerrucksack als wertvolles Hilfsmittel für die Pädagogen an der Gesamtschule: (v. l.) René Siepermann (Fachschaftsvorsitzender katholische Religion), Christian Dobrinkat (Fachschaftsvorsitzender praktische Philosophie), Schulleiterin Christiane Feldmann, Schulsozialarbeiter Michael Koida und Schülersprecherin Dominika Wiench. NN-Foto: MB

EMMERICH. Eine alte Weisheit besagt: Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Und „wie im wirklichen Leben, werden die Kinder und Jugendlichen auch in der Schule mit Abschied, Tod oder Scheidung konfrontiert“, weiß Christiane Feldmann. Daher ist die Leiterin der Gesamtschule Emmerich froh über die jüngste Spende der Hospizgruppe Emmerich: einen Trauerrucksack. Feldmann ist überzeugt, dass er sich als „wertvolles Hilfsmittel für unsere Sozialpädagogen, Religionslehrer und die Lehrer der praktischen Philisophie“ erweisen werde.

Die Ausstattung des Trauerrucksacks ist sehr umfangreich. Er enthält unter anderem eine Kerze, Bunt- und Bleistifte, Traubenzucker (als „Nervennahrung“, wie der Hersteller schreibt), Taschentücher, Edel- und Kieselsteine, Teelichter, einen Bilderrahmen, Fotos und Karten, Organzastoff und Federn sowie ein Erste-Hilfe-Set.

Ursula Bender, Koordinatorin der Hospizgruppe, hat den Kontakt zur Gesamtschule gesucht und erläutert die Einsatzmöglichkeiten der Spende: „Mit dem Trauerrucksack können die Lehrer ganz akut eine Situation schaffen, in der sie auf die Schüler eingehen können.“ Mit den im Rucksack enthaltenen Utensilien könne etwa ein kleiner Gedenktisch aufgebaut werden. „So wird den Schülern eine Möglichkeit geboten, sich zurückzuziehen“, sagt Bender. Die Arbeit mit dem Trauerrucksack hat laut Christiane Feldmann auch „viel mit Ritualen zu tun. Sie können eine große Hilfe darstellen.“

Michael Koida ist Schulsozialarbeiter an der Gesamtschule und weiß, dass Trauerarbeit an einer Schule viel Fingerspitzengefühl erfordert. Der Trauerrucksack biete weitere Möglichkeiten, denn „es gibt immer wieder Fälle, in denen Schüler durch Ereignisse wie Todesfälle in der Familie, eine Scheidung oder auch einen Umzug belastet sind“. Gemeinsame Trauerarbeit könne da eine Stütze sein.

Kontakt
Hospizgruppe Emmerich, Vorstandsvorsitzende Hildegard Kleintjes, Koordinatorinnen Ursula Bender und Beate Diel, Kontakt unter Telefon 0151/15500558, www.hospiz-emmerich.de.
Den Trauerrucksack für Schulen vertreibt das Unternehmen Benoba – Bedarf für Notfallseelsorge und PSNV (www.benoba.de).

Auch Schülersprecherin Dominika Wiench hat schon Mitschüler erlebt, die eine schwierige Situation durchlebten. „Man merkt sofort, wenn Schüler niedergeschlagen sind“, erzählt die 14-Jährige. „Sie sind unkonzentriert, ruhiger als normalerweise.“ Gespräche mit Mitschülern, aber auch mit Lehrern können da Trost spenden. „Wenn es jemandem nicht gut geht, sprechen wir mit Freunden darüber“, sagt Dominika, „aber jeder entscheidet selbst, ob er darüber reden möchte oder nicht.“ Wie wertvoll der Trauerrucksack für eine Schule sein kann, weiß Inge Hieret-McKay, Leiterin des Willibrord-Gymnasiums in Emmerich. Vor rund einem Jahr hat ihre Schule einen Rucksack von der Hospizgruppe erhalten, „und wir haben ihn auch seitdem deutlich nutzen müssen“. Unter anderem habe es einen Todesfall in der Schülerschaft gegeben, er sei aber auch in anderen Situationen zum Einsatz gekommen: Krankheitsfall in der Familie, Tod eines Haustiers oder auch Sehnsucht nach der Heimat.

Die Mitglieder des Kollegiums – psychosoziale Berater, Schulsozialarbeiter, Klassen-, Beratungs- und Religionslehrer – greifen auf den Rucksack zurück. „In den meisten Fällen nimmt man auch andere Schüler mit, etwa eine Gruppe von Freunden, die von ähnlichen Erfahrungen berichten“, sagt Hieret-McKay. Die Utensilien im Rucksack sind aus ihrer Sicht weit mehr als nur schmuckes Beiwerk. „Es hilft, wenn Menschen etwas in der Hand halten, sich an etwas festhalten können.“

Wie ihre Kollegin Christiane Feldmann, so betont auch Hieret-McKay die Bedeutung bestimmter Handlungen oder Rituale, etwa dem Anzünden einer Kerze. „Das Auspacken von Taschentüchern symbolisiert beispielsweise: Wer weinen muss, kann dies hier tun.“ Letztlich laufe es auf den Umstand hinaus: „Verletzliche junge Menschen können das, was sie bewegt, mittels des Rucksacks zum Ausdruck bringen – das wiederum bringt ihnen Erleichterung.“