Kabarettist und TV-Moderator Christian Ehring im NN-Interview – und am 22. Februar in Rees

Christian Ehring ist Gewinner des Deutschen Comedypreises 2016 („extra3“) und erhielt 2010 den Adolf-Grimme-Preis („heute-show“).
Foto: Horst Klein

REES. Er ist Moderator der NDR-Satiresendung „extra3“ und regelmäßig an der Seite von Oliver Welke in der „Heute-Show“ im ZDF zu sehen. Am Donnerstag, 22. Februar, ist Christian Ehring (45) zu Gast in Rees: Mit „Keine weiteren Fragen“ steht er im Bürgerhaus auf der Bühne. Zuvor spricht er im Interview mit NN-Redakteur Michael Bühs unter anderem über den Nieder­rhein, die Unterschiede zwischen Bühne und Fernsehen und sein Bühnenprogramm.

Sie sind gebürtiger Duisburger, in Krefeld aufgewachsen, heute in ganz Deutschland unterwegs. Was bedeutet es für Sie, hier am Niederrhein aufzutreten?
Christian Ehring: Das weckt bei mir sofort Heimatgefühle, wenn ich Schafe, Kopfweiden und die flache Landschaft sehe. Manchmal denke mir, ob ich mich hier nicht mal zur Ruhe setzen sollte. Es prägt einen auch.

Inwieweit prägt es?
Ehring: Es sind die Kindheitserinnerungen: Radtouren am Nieder­rhein, Ausflüge, Besuche bei Bekannten, die etwas weiter nördlich wohnen. Ich merke, wenn ich hier bin: Die Landschaft ist die, die mich am meisten geprägt hat. Es ist schon etwas anderes, als wenn ich am Bodensee bin.

Wie ist der Niederrhein als Mensch?
Ehring: Es ist auf jeden Fall der Menschenschlag, den ich am besten verstehe – und auch die Art von Humor, die ich am besten verstehe. Ich bin mit Hanns Dieter Hüsch aufgewachsen, was meine humoristische Sozialisation betrifft, und habe schon als Jugendlicher alles aufgesogen – auch das, was ich um mich herum, zum Beispiel in der Verwandtschaft, gehört habe.

Wie würden Sie den Humor des Niederrheiners beschreiben?
Ehring: Ich würde sagen, es ist ein eher versöhnlicher Humor. Es ist kein sehr konfrontativer Humor, der darauf abzielt, Widersprüche aufzudecken oder Kritik zu üben. Es hat etwas Versöhnliches, man kommt zusammen im gemeinsamen Lachen über sich und die Welt. Im Bayern zum Beispiel ist der Humor eher dazu da, um aufzubegehren gegen eine normative Kraft, gegen Parteien oder Kirche. Am Niederrhein habe ich nicht dieses Gefühl; hier trifft man sich und lacht zusammen. Und wenn es zu böse wird, wird es vielleicht auch etwas unangenehm.

Reagieren Sie auf diesen Umstand, wenn Sie auf die Bühne kommen?
Ehring: Ich finde es immer wahnsinnig interessant zu sehen, wo ich bin. Ich schaue mir vorher ein paar Dinge an, spreche mit dem Veranstalter: Wie ist die politische Situation im Ort, welche politischen Skandale hat es in letzter Zeit gegeben? Wie sieht es konfessionell aus – ist es Diaspora, sind es die einzigen Katholiken unter vielen Evangelen? Wie ist die Geschichte des Ortes, worauf sind die Menschen besonders stolz? Das lasse ich zum Teil auch einfließen ins Programm, weil es immer gut funktioniert, wenn das Publikum das Gefühl hat: Hier ist jemand, der kennt uns oder versucht, uns kennenzulernen.

Viele kennen Sie aus dem Fernsehen, durch „extra3“ und die „Heute-Show“. Was bedeutet es für Sie, auf die Bühne zu gehen? Ist es eine andere Welt?
Ehring: Irgendwie schon, zumal das, was ich auf die Bühne machen, etwas ganz anderes ist als im Fernsehen. Ich merke, dass es grundsätzlich ein großes Wohlwollen gibt, wenn ich auf die Bühne komme, da ich auf Menschen treffe, die sich darauf freuen, mich zu sehen, weil sie mich eben aus dem Fernsehen kennen. Das war früher nicht so. Da musste ich in den ersten 20 Minuten die Menschen erst mal von mir überzeugen: Ich bin den Eintritt wert, ihr habt euch richtig entschieden hier zu sein.

Ist Ihnen die Bühne näher als das Fernsehstudio?
Ehring: Das ist schwer zu sagen. Die Bühne ist schon sehr lange meine große Leidenschaft, seit 25 Jahren, und das Fernsehen kam irgendwann dazu. Für meine Verhältnisse mache ich das noch nicht so wahnsinnig lange; 2009 ging es erst los mit der „Heute-Show“. Für mein Gefühl macht die Bühne noch immer den Hauptanteil aus, und das Fernsehen ist das, was dazugekommen ist. In der öffentlichen Wahrnehmung ist es natürlich genau umgekehrt: Ich bin der Typ aus dem Fernsehen, der auch auf der Bühne auftritt. Was mir aber lieber ist, kann ich nicht sagen.

Verlosung
Die NN verlosen 3 x 2 Karten für das Gastspiel von Christian Ehring am Donnerstag, 22. Februar, 20 Uhr, im Bürgerhaus Rees (Karten im Bürgerservice und unter www.kulturbuero-niederrhein.de).
Einfach eine E-Mail mit Name, Anschrift, Telefonnummer und dem Betreff „Christian Ehring“ schicken an gewinnspiel@nno.de; Einsendeschluss ist Donnerstag, 15. Februar, 12 Uhr. Die Gewinner werden unter www.nno.de veröffentlicht.

Wo liegen die größten Unterschiede?
Ehring: Es ist ein ganz anderes Arbeiten. Auf der Bühne bin ich völlig autonom und kann frei entscheiden, was ich wie mache oder auch mal weglasse. Im Fernsehen wird viel abgesprochen, eine Sendung fügt sich aus zahlreichen Elementen zusammen, es ist ein hohes Maß an Teamarbeit. Was aber auch ganz toll ist.

Sind die Bühnenauftritte inzwischen ein Stück weit Routine geworden, oder ist jedes Gastspiel ein neues Abenteuer für Sie?
Ehring: Es ist tatsächlich immer ein kleines Abenteuer. Ich merke es an meiner eigenen Energie und an meiner eigenen Spannung, bevor es losgeht und auch in der Pause, bevor ich zum zweiten Teil wieder auf die Bühne gehe. Früher bin ich sehr viel aufgetreten, habe im Kom(m)ödchen-Ensemble gespielt, hatte bis zu 300 Veranstaltungen im Jahr. Da verliert man natürlich jede Angst vor der Bühne, die man noch irgendwie in sich trägt. Aber ich würde nicht sagen, dass es Routine ist – mehr Souveränität. Ich bin jedes Mal wieder aufgeregt und auch ein bisschen neugierig.

Sie sind nicht gerade für ausladende Gestik und übertriebene Mimik bekannt. Was das schon immer so?
Ehring: Das war tatsächlich schon immer so. Im Amateur-Ensemble, mit dem ich angefangen habe, habe ich den Großteil der Programme geschrieben und durfte deshalb mitspielen. Aber ich bin kein profilierter Schauspieler im Sinne von Wandlungsfähigkeit. Ich bin immer mehr oder weniger ich selbst. Daraus resultiert diese Reduziertheit an Gesten, ich komme wahrscheinlich tatsächlich mehr über das Wort und versuche, das durch mein Spiel zu unterstützen, durch Dinge wie Timing.

Spielen Sie ein Instrument?
Ehring: Klavier – auch auf der Bühne.

Eckart von Hirschhausen hat einmal festgestellt, dass viele gute Kabarettisten und Comedians auch Musiker sind, da beide von Timing leben.
Ehring: Das ist eine interessante These; das Gefühl habe ich auch. Wie haben bei „extra3“ beispielsweise einen Regisseur, der Konzertgitarre spielt. Bei ihm merkt man das durch die Art der Schnitte und die Musikalität der Sendung – zumindest bilde ich mir das ein. Timing ist zwar etwas, das man wahrscheinlich lernen kann, wenn man sich viel anschaut. Aber irgendwie hat man das auch mitbekommen auf eine mysteriöse Art und Weise – oder eben nicht.

Worauf darf sich das Publikum in Rees bei ihrem Gastspiel freuen?
Ehring: Im Gegensatz zu dem, was ich im Fernsehen mache, erzähle ich hier eine Geschichte. Es ist ein recht musikalisches Programm, ich spiele Klavier und singe. Ich erzähle mehr von mir selbst, aus meinem Leben. Nicht alles stimmt 1:1, aber es stimmt alles, was die grundsätzliche Wahrhaftigkeit betrifft. Es geht um eine kleine Geschichte: Mein 18-Jähriger Sohn zieht aus, und meine Frau sagt: Lass uns doch einen Flüchtling aufnehmen, wir haben jetzt doch Platz im Haus. Ich selbst finde das als Idee wahnsinnig gut, aber aktiviere in mir alles, was dagegen sprechen könnte, um es doch nicht machen zu müssen. Ich würde sagen, es ist eine selbstkritische Sicht auf eine gewisse linksliberale Klientel; es geht um Moral und Verantwortung. Ich empfinde mich selbst als noch vielseitiger, vielschichtiger als im Fernsehen und zeige durchaus noch mehr von mir.