Verein Eden kritisiert die Pläne zur „Reeser Welle“

Verein Eden kritisiert die

Pläne zur „Reeser Welle“

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95 Hektar groß ist der Bereich der als „Reeser Welle“ bezeichneten Auskiesung. Der Verein Eden ruft die Bürger dazu auf, Einwände gegen die Pläne zu formulieren. Grafik: Eden e.V./Foto: tim-online.nrw

REES. In Rees wird geplant, eine 95 Hektar große Fläche – die „Reeser Welle“ südlich von Esserden und westlich der B67 – auszukiesen. Der Verein „Eden Niederrhein“ fordert alle Bürger auf, sich im eigenen persönlichen Interesse oder zum Erhalt der Niederrheinlandschaft mit den Antragsunterlagen zur Auskiesung der „Reeser Welle“ auseinander zu setzen. Denn die Ausweisung als Entkiesungsgebiet ist laut Eden nur eine „Kann-“ und keine „Muss“-Bestimmung, „auch wenn Bürgermeister Gerwers behauptet, man könne da nichts mehr gegen machen“, teilt Eden mit. Durch solche Aussagen werde die Reeser Bevölkerung verunsichert, und es werde Aussichtslosigkeit der Gegenwehr seitens der Bürger suggeriert, kritisiert der Verein. 

Klaus Awater, 2. Vorsitzender von Eden, fordert: „Trotzdem müssen sich die Reeser und besonders die Esserdener aus Eigenschutz mit dieser Thematik beschäftigen und die ihnen zur Verfügung stehende Möglichkeit auch nutzen. Denn hier werden durch privatwirtschaftliche Unternehmen weitreichende unumkehrbare Fakten geschaffen.“

Damit bei Rhein-Hochwasser der erhöhte Grundwasserstand von Esserden über den Rand der Abgrabung hinaus nicht noch höher ansteigt, wurde seitens der Antragssteller eine bis zu 30 Meter tiefe und rund 1.600 Meter lange Dichtschürze geplant. Eden-Vertreter und Reeser Bürger wandten bereits 2016 ein, dass das von landseits heranströmende Grundwasser sich vor dieser Dichtschürze aufstauen und die Qualmwassergefahr bei Rheinhochwasserständen deutlich erhöhen könnte. In dem überarbeiteten Gutachten heißt es nun, dass dieses Grundwasser westlich und östlich um die Dichtschürze herum ausweichen würde. Eine logische Vorstellung wäre laut Eden jedoch erst einmal ein erheblicher Aufstau vor dieser Dichtschürze unter Esserden und dann ein Abfließen nach West und Ost. Die Auswirkungen dieser Abflüsse auf die sich in diesen Bereichen befindlichen städtischen und ländlichen Bereiche mit ihren Strukturen bleiben vollkommen offen.

Einwände
Einwände und Bedenken sind bis 5. Februar schriftlich bei der Stadt Rees einzureichen (www.stadt-rees.de, Suchfunktion: Offenlage, Akt. Beteiligungen).
Infos: www.eden-niederrhein.de

„Es ist sehr befremdlich, dass der Antragssteller keine Messstellen im Ort Esserden, sondern nur in der Umgebung für seine Grundwasser-Vorhersage-Berechnungen eingerichtet hat, denn schließlich geht es doch genau hier um die Siedlungssicherheit der Bevölkerung“, sagt Heinz van Laak, 1. Vorsitzender von Eden. „Aufgrund der Tatsache, dass die Bodenschichten in der Auenterrasse sehr stark variieren, wäre es umso wichtiger gewesen, in Esserden selbst genaueste und engmaschige Datenerfassungen zu betreiben.“ Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass große Mengen Grundwasser unter der Rampe der Reeser Rheinbrücke umgeleitet werden. „Da stellen sich natürlich Fragen zur deren Standsicherheit“, sagen die Eden-Sprecher Dr. Leo Rehm und Melanie Gronau. Der Verein hat sich dazu mit einem Schreiben auch an den Landesbetrieb Straßen.NRW gewandt.

Eine Kernforderung von Eden ist zudem, dass im Baggerlochgebiet zwischen Rees und Wesel vor jeglicher weiteren Auskiesungsgenehmigung umfassende, engmaschige hydrogeologische Erkundungen sowie ein kombiniertes Niederschlags-Abflussmodell mit einem dreidimensionalen Grundwasser-Modell auf Grundlage instationärer Berechnungen erstellt werden.

Der Naturschutzbund (Nabu) lehnt die Abgrabung der Reeser Welle ebenfalls ab. Dies teilt der 2. stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes, Adalbert Niemers, mit. Auch nach den teilweise geänderten Plänen drohe die Vernichtung von mehr als 100 Hektar wertvoller Kulturlandschaft im EU-Vogelschutzgebiet (EU-VSG) und landwirtschaftlicher Nutzfläche. „Es sind nicht nur eine Entwertung des EU-VSG zu befürchten, sondern auch tiefgreifende Veränderungen der Fließrichtungen und der Fließgeschwindigkeiten des Grundwassers bei Hochwasser mit bisher nicht abzuschätzenden Risiken“, so Niemers. Ob es um die Ausgestaltung des derzeit in Arbeit befindlichen Regionalplans oder um die Verabschiedung von gesetzlichen Vorgaben zum Naturschutz und zu Abgrabungen gehe, immer seien dies auch politische Entscheidungen, auf die betroffene Kommunen Einfluss nehmen könnten. „Sie sollten es aber auch in Planungsverfahren tun“, fordert Niemers.

„Erfreulicherweise“ habe sich der Rat der Stadt Rees im Jahr 2016 eindeutig gegen die Abgrabung ausgesprochen. „Jetzt wäre es wünschenswert, dass die Stadt Rees sich konsequenterweise auch mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Abgrabung wehrt“, so Niemers.