...erinnert an den 70. Geburtstag der Deutschen Mark und präsentiert Zahlungsmittel aus 3.500 Jahren

XANTEN. Neues Jahr, neue Jahresplanung. Norbert Müller, Initiator und Leiter des Geldmuseums in Xanten-Wardt, hat noch ein wenig Papierkram zu erledigen, bis die ehemalige Villa Kunterbunt ab dem 8. Januar wieder ihre Türen öffnet. Eines weiß Müller aber schon jetzt: 2018 wird ein besonderes Jahr für das in Nordrhein-Westfalen einzigartige Museum sein.

Im Gewand eines Münzmeisters lädt Norbert Müller die Museumsbesucher ein, ihren eigenen Xantener Denar zu schlagen.
NN-Foto: M. Scholten

2018 wird ein besonderes Jahr für das in Nordrhein-Westfalen einzigartige Museum sein. Denn die Deutsche Mark, von 1948 bis 2001 das Zahlungsmittel der Bundesbürger, wird 70 Jahre alt.
Dass die harte Währung zum 1. Januar 2002 abgeschafft und durch den Euro ersetzt wurde, war vor 20 Jahren auch ein wichtiger Grund für Müllers ausgeprägte Sammelleidenschaft: „Ich dachte mir: Bald ist sie weg, die Deutsche Mark.“ Also sammelte er alle Souvenirs, die er rund um die Mark und den Pfennig finden konnte: von der 20-Pfennig-Wundertüte über den Deutsche-Mark-Trinkbecher bis zum Nutella-Glas, das (passend zum Umrechnungskurs der D-Mark zum Euro) 1,95583 Kilo Nussnougatcreme enthält.
Diese Sammlung füllt eine ganze Wohnzimmervitrine und gilt als „Keimzelle“ der heutigen Ausstellung. Doch bei Führungen durch die sechs großzügig bestückten Museumsräume wird schnell deutlich, dass die Deutsche Mark letztlich nur eine kleine Fußnote in der 3.500-jährigen Kulturgeschichte des Geldes ist.
Der Rundgang startet beim sogenanntem Primitivgeld: Kauri-Schnecken und Steingeld aus der Südsee, Teeziegel aus China, Salzbarren aus Äthiopien, Katangakreuze aus Sambia. Schon der griechische Philosoph Plato sagte einst: „Geld ist ein verabredetes Zeichen, eine Übereinkunft in vielerlei Gestalt.“

Norbert Müller widmet der Deutschen Mark viel Platz im Museum. In einem Safebag befinden sich geschredderte 1.000-DM-Banknoten. Ehemaliger Wert: eine Million Mark.
NN-Foto: Michael Scholten

Metallmünzen kamen erstmals in der Zeit des Lyderkönigs Krösus in Umlauf, im sechsten Jahrhundert vor Christus. Die Chinesen führten sehr viel später das Papiergeld ein, das Marco Polo verwundert als „fliegendes Geld“ beschrieb. Stolz zeigt Norbert Müller eine 1.000-Käsch-Note aus der Ming-Dynastie. Das auf 1356 datierte Stück ist der älteste bekannte Geldschein der Welt.
Weitere Höhepunkte sind ein alter Handwagen aus Metall, mit dem Kölner Banken Anfang des letzten Jahrhunderts ihr Geld durch unterirdische Gänge transportierten, oder eine Holzkiste mit der Aufschrift „Doorknob“ („Türgriff“). Sie war 1948 Bestandteil der Geheimmission, bei der die USA, an den Sowjets vorbei, Deutschland mit frischgedruckten D-Mark-Scheinen belieferte und 40 Mark „Kopfgeld“ an jeden Bürger auszahlte.
Nicht nur Kinderaugen strahlen, wenn die Besucher einen weiteren Raum betreten. Auch Norbert Müller packt die Spiellust, wenn er Spardosen aus aller Welt und historische Sparautomaten vorführt. Besonders das Münzen fressende Blechspielzeug aus den USA fasziniert ihn. Schüler und Familien mit Kindern sind begeistert, wenn sie jedes dieser Spielzeuge, die zum Sparen ermuntern sollen, ausprobieren dürfen. Denn das Museumskonzept lautet: „Anfassen ist ausdrücklich erlaubt!“
Das gilt auch für den nächsten Raum, der einem Technikmuseum gleicht. Geldzähl- und Verpackungsmaschinen zeigen die mechanischen und elektronisch unterstützten Möglichkeiten, die den Banken in den 70er und 80er Jahren zur Verfügung standen. Da passt es, dass die Villa Kunterbunt in den 70er Jahren eine Zweigstelle der damaligen Kreissparkasse Marienbaum war.
Viele Kinder dürften im Geldmuseum erstmals eine echte Deutsche Mark in Händen halten, wenn sie gleich 50 Stück davon in einen Rollierautomaten schütten dürfen.
In der ehemaligen Küche der Villa Kunterbunt geht der Blick an die Decke. In goldenen und silbernen Buchstaben sind verschiedene Namen für Geld zu lesen: Zaster, Knete, Kies, Asche, Kröten, Mäuse oder Kohle. Vitrinen zeigen einen Querschnitt durch 3.500 Jahre Geldgeschichte. Sondermünzen, Medaillen und Schmuckstücke aus Geld ergänzen die Ausstellung.

Doch wie entstehen eigentlich Münzen? Diese Frage beantwortet die Prägewerkstatt. Dafür streift Norbert Müller das historische Gewand eines Münzmeisters über und hält Metallrohlinge bereit. Eifrige Helfer dürfen zum Hammer greifen und ihren eigenen Xantener Denar schlagen. „Nein, ich habe keine Angst um meine Finger“, lacht Norbert Müller, der den Oberstempel auf den Unterstempel drückt, während ein Fünfjähriger mit Wucht den großen Hammer schwingt.
Für die Gedenkmünzen des Museums, das passenderweise am „Weltspartag 2016“ eröffnet wurde, kommt schweres Gerät zum Einsatz: Der Fallhammer saust krachend auf den Unterstempel und zaubert in Millisekunden ein begehrtes Souvenir.
Kindergärten, Schulen und Familien sowie Geldsammler aus ganz Deutschland, aber auch Auszubildenden von Banken gehen in Wardt auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Geldes. Schließlich weiß außer Norbert Müller kaum jemand, dass zum Beispiel der Punkt über dem „S“ des roten Sparkassen-Logos eine Münze darstellt: „Früher war das S noch besser als Spardose erkennbar“, sagt der gelernte Elektromechaniker und hauptberufliche Werklehrer an einer Förderschule. Müller freut sich übrigens über jede Art von Spardosen und ausländischen Banknoten.
Das Geldmuseum am Kerkend 7 in Xanten-Wardt ist samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, außer am ersten Wochenende des Monats. Andere Termine können unter Telefon 02801/9856888 oder 0157/74669757 vereinbart werden. Weitere Infos unter www.geldmuseum-xanten-wardt.de